Deutsch
English
schwarz-weiss Version
Farb-Version
A A A
Zum Downloadbereich
unserer Smartphone-App

Smartphone-App

Preis des NS-Dokumentationszentrums München

Rechtspopulisten und Rechtsextreme verbreiten heutzutage wieder massiv Hetzparolen, die auf erschreckende Weise der nationalsozialistischen Propaganda gleichen. Fremdenhass, Antisemitismus und Geschichtsvergessenheit dringen vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft vor. Es ist Aufgabe des NS-Dokumentationszentrums München, über die NS-Zeit aufzuklären und deutlich zu machen, wo die menschenverachtende Ideologie der Rechten ihre Wurzeln hat.

Ab 2018 wird das NS-Dokumentationszentrum einen Preis vergeben: Ausgezeichnet werden herausragende Publikationen, Aktivitäten und Projekte, die über den Nationalsozialismus, die vom NS-Regime begangenen Verbrechen sowie über Folgen und Weiterwirken der NS-Zeit aufklären. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert und soll alle zwei Jahre verliehen werden.

Bei der Auswahl der Projekte wird besonderes Augenmerk auf eine hohe Qualität, eine breite gesellschaftliche Wirkung und eine zeitgemäße, zukunftsorientierte Ausgestaltung der Beiträge gelegt. Eine Jury mit Fachleuten aus dem deutschsprachigen Raum und ehrenamtlichen Mitgliedern des Stadtrats wird nationale und internationale Publikationen und Projekte vorschlagen, diese diskutieren und daraus eine Preisträgerin oder einen Preisträger empfehlen. Die Entscheidung über die Preisvergabe trifft der Stadtrat.


Preisträger 2019: „Anne Frank’s Diary: The Graphic Adaption“ von Ari Folman und David Polonsky

Das Tagebuch der Anne Frank ist eines der wichtigsten Dokumente des Holocaust. Die Umsetzung als Graphic Novel folgt einem aktuellen Trend, schwer erzählbare Themen wie Krieg oder Verfolgung mit alternativen Methoden darzustellen. Über eine Jugendlichen vertraute Bildästhetik werden historische Ereignisse in unmittelbare Nähe herangezoomt, zugleich schafft die zeichnerische Umsetzung eine Verfremdung und einen Abstand zur Geschichte. Diese Dialektik von Nähe und Distanz öffnet einen Raum für die Darstellung und Vermittlung von Emotionen, Ängsten, Hoffnungen und Innensichten der Erfahrungs- und Gedankenwelt des jungen Mädchens im Versteck vor den Nationalsozialisten.

Glaubt man, es gäbe nichts Neues mehr zu sagen über Anne Franks Tagebuch, so wird man von Folman und Polonsky überrascht: In ihrer Erzählung und ihren Zeichnungen wird die Geschichte des Amsterdamer Hinterhauses noch einmal lebendig: die Enge, die fehlende Privatsphäre, die stumm ausgetragenen Konflikte, die Bedrohung durch Nachrichten von draußen. Besonders beeindruckend ist die bildliche Umsetzung von Annes Innenleben, das mal ironisch, mal spöttisch und zusehends depressiv auf die Umgebung reagiert. In fast immer bunten, nur manchmal in Sepia gehaltenen Bildern, werden den Leserinnen und Lesern die Ängste, Gefühle, Wunschträume, Erinnerungen und Zukunftshoffnungen dieses klugen, jungen Mädchens nahe gebracht; und zusehends auch ihre albtraumhaften Phantasien, die den immer detaillierteren Berichten über die Lager und die drohende Vernichtung entwachsen.

„Folman und Polonskys ‘Tagebuch der Anne Frank’ vereint in sich zentrale Aspekte der Arbeit des NS-Dokumentationszentrums München, die an der Schnittstelle von Wissen, Vermittlung und Kunst verortet ist. Die Autoren übersetzen die Geschichte des Holocaust in eine künstlerische Sprache, die das Unfassbare und Unbeschreibliche begreifbar macht. Ihre eindringlichen Bilder entfalten eine starke Wirkung. Sie erreichen auch jene Leserinnen und Leser, die über wenig historisches Vorwissen oder Lesekompetenz verfügen. Sich als Künstler mit diesem schweren Thema zu befassen erfordert ein hohes Maß an Mut, Sensibilität und Könnerschaft. Folman und Polonsky leisten einen wertvollen und wegweisenden Beitrag im Bemühen um eine sich stets weiterentwickelnde, lebendige Erinnerungskultur“, heißt es in der Begründung der Jury.

Anne Frank’s Diary: The Graphic Adaption“ ist in der deutschen Auflage 2017 im S. Fischer Verlag erschienen und ab Montag, 4. Februar 2019, in allen Münchner Stadtbibliotheken erhältlich.

Ihr Besuch

Informationen zu Öffnungszeiten, Anfahrt, Gruppenangeboten, Preisen

Unser Newsletter
Erhalten Sie aktuelle Veranstaltungshinweise und Neuigkeiten aus dem Haus

Brienner 34
Ein Kunstprojekt von Benjamin und Emanuel Heisenberg