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In Gedenken an Max Mannheimer zum 100. Geburtstag

Am 6. Februar 2020 wäre der Zeitzeuge und Holocaust-Überlebende Max Mannheimer 100 Jahre alt geworden. In Gedenken an ihn möchten wir hier seine Geschichte erzählen.


Kindheit und Jugend

Max Mannheimer wird am 6. Februar 1920  im mährischen Neutitschein (heutiges Tschechien) als ältestes der fünf Kinder von Jakob und Margarethe (geb. Gelb) Mannheimer geboren. Von 1934 bis 1936 besucht er die Handelsschule und absolviert eine Ausbildung als Kaufmann bei der Firma J. Schön & Co. Ein kleines Kaufhaus, das täglich mehr als zehn Stunden geöffnet ist.


Verfolgung

Infolge des „Münchner Abkommens“ annektiert das Deutsche Reich am 10. Oktober 1938 das Sudetenland, deutsche Truppen marschieren auch in Neutitschein ein. Die Familie Max Mannheimers wird gezwungen, ihr Geschäft zu verkaufen und beschließt kurz nach den Novemberpogromen 1938  nach Ungarisch Brod, in den unbesetzten Teil der Tschechoslowakei, zu flüchten. Max Mannheimer arbeitet dort im Straßenbau und lernt Ende 1940 Eva Bock kennen, die er im September 1942 heiratet. Im Januar 1943 wird er zusammen mit seiner Ehefrau und seiner Familie in das Ghettolager Theresienstadt und von dort nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Seine Eltern, seine Frau und drei seiner Geschwister werden in Auschwitz ermordet. Max Mannheimer bekommt die Häftlingsnummer 99 728 auf den linken Unterarm tätowiert. Im Oktober 1943 wird er mit seinem Bruder Edgar in das Konzentrationslager Warschau überstellt, wo er die Trümmer des Warschauer Ghettos beseitigen muss und in der Schreibstube eingesetzt wird. Im August 1944 werden die Brüder in die Dachauer KZ-Außenlagern München-Allach und Mühldorf verschleppt.

„Vor dem Block antreten. Wir frieren. Es ist noch dunkel. Der Boden ist schlammig. Links von uns ist der Stacheldraht. Elektrisch geladen. Totenkopf. Darunter: 'Lebensgefahr'. Ich bin verzweifelt.“ – Max Mannheimer


Befreiung und Rückkehr nach Deutschland

Am 30. April 1945 wird Max Mannheimer in Tutzing von den Amerikanern befreit. Von seiner Familie haben nur sein Bruder Edgar und er den Holocaust überlebt.

„Ich habe zwar Auschwitz verlassen können, aber Auschwitz hat mich nicht verlassen.

Nach der Befreiung kehrt er in seine Heimat Neutitschein zurück und heiratet im Dezember 1946 Elfriede Eiselt. Mit ihrer gemeinsamen Tochter Eva ziehen sie 1947 nach München, wo Max Mannheimer als Kaufmann arbeitet und sich in jüdischen Hilfsorganisationen engagiert. Außerdem beginnt er unter dem Pseudonym „Ben Jakov“ abstrakte Bilder zu malen, die später in vielen nationalen Ausstellungen gezeigt werden. Seine Frau stirbt 1964 an Krebs, ein Jahr später heiratet er zum dritten Mal, die Amerikanerin Grace Franzen. Mit ihr hat er einen Sohn.

Am 23. September 2016 stirbt Max Mannheimer im Alter von 96 Jahren. Als dauerhaftes Andenken an ihn und sein einzigartiges gesellschaftliches Engagement wird der Platz vor dem NS-Dokumentationszentrum München am 6. Februar 2018 nach ihm benannt.

Politisches Engagement als Zeitzeuge

Max Mannheimer spricht sich nach seinen Verfolgungserfahrungen öffentlich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus aus. Mit seinen Erinnerungen und Vorträgen will er den Menschen in der Gegenwart die Augen öffnen – und die zukünftigen Generationen vor einer Wiederholung schützen. Für seine Verdienste erhält Max Mannheimer zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Die Erinnerungen an den Holocaust schreibt Max Mannheimer 1964 auf; 1985 werden sie erstmals als „Spätes Tagebuch“ in den „Dachauer Heften“ veröffentlicht. Heute ist das Buch in mehrere Sprachen übersetzt.

„Setzt Euch ein, wo menschenverachtendes Denken sich in den Alltag einschleicht, wo Menschen wegen ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft und Nationalität verachtet werden“


Max Mannheimers „Appell an die Jugend in Deutschland“ wurde m 9. März 2012 in den Grundstein des NS-Dokumentationszentrums München eingelassen. Es ist das Vermächtnis des Zeitzeugen und Holocaust-Überlebenden, in dem er an die Jugend appelliert, aus der Geschichte zu lernen.