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Heimrad Bäcker
es kann sein, dass man uns nicht töten wird und uns erlauben wird, zu leben*

verlängert bis 06|06|2021

Eine Ausstellung konzipiert vom mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum München.


Aktuelle Informationen zu den Öffnungszeiten der Ausstellung und zur Terminbuchung finden Sie hier. Einen Einblick in die Ausstellung geben wir auch auf Facebook, Twitter, Instagram und YouTube.


Die Ausstellung „Heimrad Bäcker. es kann sein, dass man uns nicht töten wird und uns erlauben wird, zu leben“ widmet sich dem fotografischen Nachlass des Schriftstellers und Verlegers Heimrad Bäcker (1925-2003). Seit 2015 befindet sich dieses Konvolut von über 14.000 Einzelobjekten, die Zeugnis einer lebenslangen Auseinandersetzung mit dem Holocaust ablegen, im Wiener mumok. Eine Auswahl von Fotografien, Notizen, Textarbeiten und Fundstücken wird nun im NS-Dokumentationszentrum München gezeigt. Bäckers Fotografien entstanden zum Teil lange bevor es eine öffentliche Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und den Orten der Verbrechen gab. Sie dokumentieren den Zustand der ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen und Gusen in Oberösterreich, die von Pflanzen überwuchert oder aber bewusst einer anderen Verwendung zugeführt worden waren. Ergänzt werden die Fotografien und Fundstücke durch Ausschnitte aus Bäckers „nachschrift", einer dichterischen Auseinandersetzung mit Zeugnissen von Täter*innen und Opfern der Shoah, sowie durch die Sound-Arbeit „Ein mörderischer Lärm“ von Tatiana Lecomte und Rainer Iglars Fotostrecke „Mauthausen 1974“.

Die Arbeiten Bäckers dokumentieren einen Moment des Übergangs, in dessen Folge ehemalige, vergessene oder ignorierte Orte der Verfolgung und Vernichtung als Gedenkorte wahrgenommen wurden und zum ersten Mal eine zentrale Rolle in der Erinnerungskultur erhielten.

Kuratorinnen
: Marie-Therese Hochwartner, Nora Linser und Susanne Neuburger



*Zitiert nach Heimrad Bäcker, nachschrift 2, edition neue texte, Graz 1997, hg. von Friedrich Achleitner und Thomas Eder, S. 5. Bäcker zitiert dabei eine Eintragung eines unbekannten Verfassers vom 25. Juli 1944 aus einem Tagebuch aus dem Getto Lodz, nach: Unser einziger Weg ist Arbeit. Das Getto Lodz 1940–1944, Frankfurt/Wien 1990, S. 268.


Online-Eröffnung

Pandemiebedingt wurde die Ausstellung online mit Video-Grußworten von Florian Roth (Stadtrat der Landeshauptstadt München), Anton Biebl (Kulturreferent der Landeshauptstadt München) und Mirjam Zadoff (Direktorin des NS-Dokumentationszentrum München) eröffnet.


Kuratorinnen-Gespräch mit Marie-Therese Hochwartner

Mirjam Zadoff (NS-Dokumentationszentrum München) sprach mit der Kuratorin des mumok, Marie-Therese Hochwartner, über Heimrad Bäckers Biografie, sein fotografisches und literarisches Werk und dessen Bedeutung für die Erinnerungskultur in Deutschland und Österreich.



Einblicke in die Ausstellung

In kleinen Teasern geben wir Einblicke in die Ausstellung zu unterschiedlichen Themen. Wir werfen einen Blick auf den „vergessenen Ort“ Mauthausen, zeigen die Fundstücke, auf die Heimrad Bäcker bei seinen Streifzügen über die Gelände gestoßen ist und beschäftigen uns mit seinem literarischen Werk „nachschrift“.


Heimrad Bäckers Fotografien (Auswahl)

Heimrad Bäcker, Ohne Titel, undatiert | © mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung / donation from Michael Merighi
Heimrad Bäcker, Ohne Titel, undatiert | © mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung / donation from Michael Merighi
Heimrad Bäcker, Ohne Titel, undatiert | © mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung von Michael Merighi
Heimrad Bäcker, Ohne Titel, undatiert | © mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung von Michael Merighi
Heimrad Bäcker, Ohne Titel, undatiert | © mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung von Michael Merighi
Heimrad Bäcker, Ohne Titel, undatiert | © mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung von Michael Merighi
Heimrad Bäcker, Seziertisch Mauthausen, undatiert | © mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung von Michael Merighi
Heimrad Bäcker, Ohne Titel, undatiert | © mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung von Michael Merighi

Kommende Veranstaltungen


Jeden Sonntag (außer Feiertage), 10.00 Uhr - Finden aktuell nicht statt!
Heimrad Bäcker. es kann sein, dass man uns nicht töten wird und uns erlauben wird, zu leben
Rundgang im NS-Dokumentationszentrum München

03.05.2021, 19.00 Uhr
#nsdokuintervention
Dark Tourism. Reisen zunStätten von Krieg, Massengewalt und NS-Verfolgung
Online-Diskussion mit Frank Bajohr, Axel Drecoll und Beate Meyer

29.05.2021 und 05.06.2021, jeweils 11.00–15.00 Uhr
Rundgang und Ortsbegehung
Mauthausen und Dachau.Orte des Terrors nach 1945
Ort: NS-Dokumentationszentrum München und KZ-Gedenkstätte Dachau

15.05.2021, 10.00–18.00 Uhr
Spurensuche
Online-Schreibwerkstatt mit Lena Gorelik

22.05.2021, jeweils 10.00–14.00 Uhr
Rundgang und Ortsbegehung
Vergessene Orte. Mauthausen und das NS-Zwangsarbeitslager Neuaubing
Ort: NS-Dokumentationszentrum München und Erinnerungsort NS-Zwangsarbeit Neuaubing



Vergangene Veranstaltungen


19.01.2021, 19.00 Uhr
der schreiber schreibt – Heimrad Bäckers poetische Sprechakte
Online-Gespräch mit Florian Huber und Ann Cotten



10.02.2021, 19.00 Uhr
Historische Orte und künstlerische Interventionen
Online-Diskussion mit Christiane Huber, Leon Kahane und Franz Wanner



24.02.2021, 19.00 Uhr
In Transition. Erinnerungsorte im Übergang
Online-Diskussion mit Niels Beintker, Gabriele Hammermann, Bertrand Perz, Stefanie Schüler-Springorum und Mirjam Zadoff



09.03.2021, 7 pm
Architecture as Evidence – The Case of Auschwitz
Online lecture by Robert Jan van Pelt


Blick in die Ausstellung

Ausstellungsansicht | Foto: Connolly Weber
Ausstellungsansicht | Foto: Connolly Weber
Ausstellungsansicht | Foto: Connolly Weber
Ausstellungsansicht | Foto: Connolly Weber
Ausstellungsansicht | Foto: Connolly Weber
Ausstellungsansicht | Foto: Connolly Weber
Ausstellungsansicht | Foto: Connolly Weber
Ausstellungsansicht | Foto: Connolly Weber

 


Heimrad Bäcker: Schriftsteller, Verleger
und wichtiger Vertreter der konkreten Poesie

Porrtätaufnahme von Heimrad Bäcker | © Linschinger

Heimrad Bäcker wurde 1925 in Wien-Kalksburg geboren. Er wuchs in prekären Lebensverhältnissen auf und lebte nach der frühen Trennung seiner Eltern in Ried im Innkreis und in Linz. Im Alter von sechs Jahren erkrankte er an Kinderlähmung, von der er eine leichte Behinderung davontrug.

In der Folge des „Anschlusses“ Österreichs an NS-Deutschland im März 1938 erlebte die völlig verarmte Familie einen bescheidenen sozialen Aufstieg. Der Vater fand Arbeit, Sohn Heimrad eine Heimat in der Hitler-Jugend, die ihm die ersehnte Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft versprach und Perspektiven zu eröffnen schien. 1941 bis 1943 arbeitete der begeisterte NS-Anhänger als Volontär bei der Linzer „Tages-Post“. Aufgrund seiner Behinderung vom Wehrdienst freigestellt, war Bäcker danach in der Presse- und Fotostelle der HJ-Gebietsführung Oberdonau in Linz tätig, zuletzt im Rang eines Gefolgschaftsführers.

Im Mai 1945, unmittelbar nach Kriegsende, wurde er von der US-amerikanischen Besatzungsmacht zu Arbeiten im Krankenlager des befreiten KZ Mauthausen zwangsverpflichtet. Unter dem Eindruck des dort Gesehenen wandte sich Bäcker dauerhaft vom Nationalsozialismus ab. Die Konfrontation mit den Opfern des NS-Terrors stand am Beginn einer jahrzehntelangen persönlichen wie künstlerischen Auseinandersetzung mit der NS-Gewaltherrschaft.

Nach dem nachgeholten Abitur und einem Studium der Philosophie, Soziologie und Völkerkunde in Graz und Wien, das er 1953 mit einer Dissertation über Karl Jaspers abschloss, arbeitete Bäcker als Fachreferent für Geisteswissenschaften an der Volkshochschule Linz. 1976 gab er diese Tätigkeit auf, um sich ganz seinem Verlag „edition neue texte“ zu widmen, den er im selben Jahr zusammen mit seiner Frau Margret gegründet hatte. Hervorgegangen aus der seit 1968 von Bäcker herausgegebenen experimentellen Literaturzeitschrift „neue texte“, bot der Verlag der österreichischen Avantgarde eine Plattform. Daneben setzte sich Bäcker, der sich seit den 1950er Jahren auch selbst literarisch betätigte, mit seinem Lebensthema, dem Holocaust, auseinander. 1986 veröffentlichte er mit „nachschrift“ sein bedeutendstes Werk, 1997 folgte „nachschrift 2“. Bäcker zitiert darin aus historischen Quellen – offiziellen Dokumenten der Judenverfolgung, aber auch Selbstzeugnissen – und arrangiert diese aus dem jeweiligen Kontext gerissenen Zitate mit den Mitteln der konkreten Poesie zu einer einzigartigen dokumentarischen Dichtung.

Vielfach für sein beispielloses Werk ausgezeichnet, stifteten er und seine Frau kurz vor seinem Tod 2003 selbst einen Literaturpreis - den jährlich verliehenen Heimrad-Bäcker-Preis. Bäckers literarischer Nachlass liegt in der Österreichischen Nationalbibliothek, sein fotografischer Nachlass im mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig.



Videoinstallation zum Internationalen Holocaust-Gedenktag


Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021 zeigte das NS-Dokumentationszentrum München am Max-Mannheimer-Platz eine Videoinstallation zu Heimrad Bäckers „nachschrift“.

> Mehr zur Installation

Siehe auch

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