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Ernst Toller wurde 1893 in Samotschin (Posen) geboren. Seine Geburtsstadt war, wie Toller rückblickend schreibt, bis zum Ersten Weltkrieg eine deutsche Stadt, auf die „Protestanten und Juden gleich stolz waren“. Nach seinem Schulabschluss ging er 1914 zum Jurastudium nach Grenoble, kehrte aber schon am 2. August, einen Tag nach dem deutschen Kriegseintritt, nach Deutschland zurück, um sich als Kriegsfreiwilliger zu melden. Die Kriegserlebnisse, die er bei der bayerischen Artillerie in Frankreich, insbesondere in Verdun, erfahren hatte, ließen ihn zum Pazifisten und später zum revolutionären Politiker werden. Seit Anfang 1917 aus gesundheitlichen Gründen vom Kriegsdienst freigestellt, nahm er in München sein Studium wieder auf. Er schrieb Gedichte und machte die Bekanntschaft mit Thomas Mann und Rainer Maria Rilke. Gleichzeitig engagierte er sich politisch und trat der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) unter Kurt Eisner bei, der am 7. November 1918 den „Freistaat Bayern“ ausrief und zu dessen erstem Ministerpräsidenten wurde. Nach der Ermordung Eisners wurde am 7. April 1919 in München die Räterepublik ausgerufen, und Ernst Toller wurde Vorsitzender des Revolutionären Zentralrats.

Nach der blutigen Niederschlagung der Räterepublik Anfang Mai 1919 wurde Toller steckbrieflich gesucht. Die mit seiner Ergreifung verbundene Belohnung von 10.000 Mark führte am 4. Juni 1919 zu seiner Verhaftung. Im Schloss Suresnes an der Werneckstraße in Schwabing hatte er sich drei Wochen bei einem Kunstmaler, der dort sein Atelier hatte, versteckt gehalten. Im Juli 1919 wurde er zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Während seiner Haft schrieb er unter anderem die Theaterstücke „Masse Mensch“, „Die Maschinenstürmer“, „Hinkemann“ und „Der entfesselte Wotan“. Während er noch im Gefängnis saß, wurden seine Stücke in Berlin, Leipzig und anderen Städten mit großem Erfolg uraufgeführt. Der Theaterkritiker Georg Hensel nennt Toller den „Prototyp des Revolutionsdramatikers“ nach dem Ersten Weltkrieg.

Als Jude, Sozialist und Pazifist war Ernst Toller ein Feindbild der Nationalsozialisten. Nach deren Machtübernahme 1933 kehrte er von einer Lesereise nicht mehr nach Deutschland zurück. Seine Autobiographie „Eine Jugend in Deutschland“ erschien 1933 als eines der ersten Bücher der deutschen Exilliteratur im Amsterdamer Emigrantenverlag „Querido“. Toller emigrierte 1934 über England in die Vereinigten Staaten. Dort nahm er sich 1939 das Leben.

Angelika Rötscher




Bildnachweis:

(c) akg-images⁄ TT Nyhetsbyrån AB

Quelle:

Toller, Ernst, Brief an Paul Löbe, 19.9.1923, in: Toller, Ernst, Briefe 1915–1939. Kritische Ausgabe, Bd. 1, hg. von Stefan Neuhaus, Göttingen 2018, S. 388-392, Zitat S. 390

Literaturauswahl:
Frühwald, Wolfgang, Der Fall Toller, Kommentar und Materialien, München 1979
Hensel, Georg, Spielplan. Schauspielführer von der Antike bis zur Gegenwart, Frankfurt am Main 1978
Toller, Ernst, Eine Jugend in Deutschland. Kommentierte Ausgabe, Stuttgart 2013