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Im Jahre 1928 kam die NSDAP bei den Reichstagswahlen auf lediglich 2,6 Prozent der Stimmen – die Partei schien an ihr Ende gelangt zu sein. Ein Jahr zuvor hatte der Münchner Lion Feuchtwanger (1884–1958) mit seinem Schlüsselroman „Erfolg“ den Aufstieg der „Wahrhaft Deutschen“ um Rupert Kutzner, der für Adolf Hitler steht, zu porträtieren begonnen. Der monumentale Zeitroman erschien 1930 und gilt als eines der ersten Werke, das sich der Struktur- und Motivationsanalyse der völkischen Bewegung widmete.

Bis in die Mitte der zwanziger Jahre genoss Lion Feuchtwanger seine Erfolge als Dramatiker und Theaterkritiker im Wirkungskreis der Schwabinger Bohème. Doch das einstmals liberale München war immer mehr zu einem Hort des Reaktionären geworden. Antisemitische Tendenzen waren weit verbreitet und stellten auch für die Familie Feuchtwanger ein bis dahin unbekanntes Ausmaß der Bedrohung dar. Geboren in eine jüdisch-orthodoxe Unternehmerfamilie, die fest in das Münchner Leben integriert war, thematisierte Feuchtwanger das Judentum oder jüdische Personen im historischen Gewand. Mit seinem Roman „Jud Süß“ gelang ihm 1925 ein internationaler Bestseller.

Während einer Vortragsreise in England und Amerika im Jahr 1933 überraschte ihn die Machtübernahme Hitlers. Feuchtwanger kehrte nicht nach Deutschland zurück. Sein Vermögen wurde beschlagnahmt, und der Doktortitel wurde ihm aberkannt. Im August 1933 wurde ihm aufgrund seiner offenen Feindschaft gegenüber dem Nationalsozialismus die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Die Werke Feuchtwangers wurden verboten und Opfer der Bücherverbrennung. Er selbst flüchtete mit seiner Frau nach Sanary-sur-Mer in Südfrankreich, einer kleinen Gemeinde, die zu einem wichtigen Ort für die deutsche Exilgemeinschaft heranwuchs. 1940 wurde Feuchtwanger in Frankreich interniert. Er konnte flüchten und gelangte über Spanien und Portugal in die USA. Dort ließ er sich in Los Angeles in Kalifornien nieder, wo er 1958 starb.

Das Nachwirken Feuchtwangers ist zwiegespalten: Zählte er in der Weimarer Republik noch zu den wirkungsstärksten Literaten, die auch international große Aufmerksamkeit generieren konnten, so blieb der Exil-Autor in der Bundesrepublik lange Zeit wenig beachtet.

Sebastian Doff-Sotta



Quelle:
Lion Feuchtwanger, Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz, Berlin 2015 (zuerst 1930), S. 35

Literaturauswahl:
Heusler, Andreas, Lion Feuchtwanger. Münchner – Emigrant – Weltbürger, Salzburg 2014
Jaretzky, Reinhold, Lion Feuchtwanger. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek bei Hamburg 1984
Specht, Heike, Die Feuchtwangers. Familie, Tradition und jüdisches Selbstverständnis im deutsch-jüdischen Bürgertum des 19. und 20. Jahrhunderts, Göttingen 2006
Weinrich, Harald, Wie zivilisiert ist der Teufel? Kurze Besuche bei Gut und Böse, München 2007