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Widerstand im Nationalsozialismus

Ein Audioguide Münchner Berufsoberschülerinnen und -schüler

Hans Beimler (1875–1936) | Foto: Privatarchiv Mühldorfer
Lotte Branz (1903–1987) und Gottlieb Branz (1896–1972) | Foto: Privatbesitz Familie Branz

1 | Hans Beimler (1875–1936)

1 | Hans Beimler (1875–1936)
Moosacher Straße (heute Mochostraße 12)
Hans Beimler war seit 1925 für die südbayerische Bezirksleitung der KPD tätig, seit 1932 war er Landtags- und Reichstagsabgeordneter. Nach seiner Festnahme im April 1933 wurde Beimler im KZ Dachau inhaftiert und dort schwer misshandelt. Anfang Mai 1933 gelang ihm die Flucht. Noch im selben Jahr veröffentlichte er seinen Erfahrungsbericht „Im Mörderlager Dachau“. Im Exil in Prag und Zürich arbeitete er weiter für die KPD. Im Sommer 1936 beteiligte er sich im Spanischen Bürgerkrieg am Aufbau der Internationalen Brigaden. Hans Beimler wurde am 1. Dezember 1936 bei Kämpfen in Spanien erschossen.

Branz

2 | Lotte Branz (1903–1987) und Gottlieb Branz (1896–1972)
Gewerkschaftshaus, Pestalozzistraße 40/42 (im Krieg zerstört)
Lotte und Gottlieb Branz gehörten der SPD an. Gottlieb wurde im Juni 1933 verhaftet und in das KZ Dachau gebracht. Nach seiner Entlassung im Oktober 1933 engagierte sich das Paar in der Gruppe „Neu Beginnen“ und unternahm Kurierfahrten in die Tschechoslowakei. Sie schmuggelten Schriften der Exil-SPD nach München und verhalfen Juden zur Flucht. Nach seiner erneuten Verhaftung im Januar 1939 war Gottlieb bis April 1945 im KZ Buchenwald. Daraufhin stellte auch Lotte Branz ihre Widerstandsaktivitäten ein. Nach dem Krieg vertrat Gottlieb Branz die SPD im Münchner Stadtrat, Lotte war Vorsitzende der Landesfrauenarbeitsgemeinschaft der SPD in Bayern.

Rupert Mayer

3 | Pater Rupert Mayer (1876–1945)
Kirche Sankt Michael/Neuhauser Straße 52 (heute 6)
Der Jesuitenpater Rupert Mayer war seit 1912 Seelsorger in München. Bereits in den 1920er Jahren warnte er vor den Gefahren der nationalsozialistischen Bewegung. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten trat er für die Rechte der Kirche ein und predigte gegen das NS-Regime. Trotz Redeverbots setzte er seine öffentliche Kritik fort. Er wurde mehrfach verhaftet und im Dezember 1939 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Nach seiner Entlassung 1940 wurde er im Kloster Ettal unter Hausarrest gestellt. Im Mai 1945 kehrte Rupert Mayer nach München zurück, wo er kurz darauf starb.

Elser

4 | Georg Elser (1903–1945)
Bürgerbräukeller (nicht erhalten), Rosenheimer Straße 29 (heute 11–15)
Der Schreiner Georg Elser wollte den Krieg durch einen Anschlag auf Adolf Hitler verhindern. Dazu zog er im August 1939 nach München und ließ sich über 30 Mal heimlich im Bürgerbräukeller einschließen, wo er eine selbst gebaute Bombe installierte. Den Zeitzünder stellte er auf den Abend des 8. November 1939, den Zeitpunkt einer Ansprache Hitlers, ein. Der Anschlag scheiterte. Elser wurde auf seiner Flucht an der Grenze zur Schweiz festgenommen und zurück in München verhört und gefoltert. Ab 1940 wurde er im KZ Sachsenhausen gefangen gehalten und schließlich Anfang 1945 in das KZ Dachau gebracht. Dort wurde er am 9. April 1945 erschossen.

Schultze-Jahn / Leipelt

5 | Marie-Luise Schultze-Jahn (1918–2010) und Hans Leipelt (1921–1945)
Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1
Nachdem der Kern der Gruppe „Weiße Rose“ im Februar 1943 hingerichtet worden war, vervielfältigte und verteilte Marie-Luise Schultze-Jahn gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Hans Leipelt das 6. Flugblatt der „Weißen Rose“ mit der zusätzlichen Überschrift „... und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“. Die beiden wurden denunziert und im Oktober 1943 verhaftet. Leipelt wurde am 29. Januar 1945 in München-Stadelheim hingerichtet, Schultze-Jahn zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach dem Krieg blieb sie politisch aktiv und engagierte sich als Zeitzeugin gegen das Vergessen. Marie-Luise Schultze-Jahn starb 2010 in Bad Tölz.

Otto Binder (1904–1944) | Foto: Repro
Karl Schörghofer (1879–1962) | Foto: Privatbesitz Angela Zieglgänsberger
Franz Limmer (1908–1993) | Foto: Privatbesitz König

Binder

6 | Otto Binder (1904–1944)
Augustenstraße 98 (heute Neubau)
Otto Binder war von 1925 bis 1929 Mitglied der „Roten Hilfe“ und der KPD. Zwischen 1935 und 1942 verhaftete ihn die Gestapo sieben Mal. Über seinen Schwiegervater Wilhelm A. Olschewski kam er zum aktiven Widerstand und versuchte, in seinem Betrieb Widerstandsgruppen aufzubauen. Nach seiner erneuten Verhaftung 1942 wurde er in der Untersuchungshaft schwer misshandelt. Vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, wurde Otto Binder am 28. Juni 1944 im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet.

Hutzelmann

7 | Emma Hutzelmann (1900–1944) und Hans Hutzelmann (1906–1945)
Margaretenstraße 18
Emma und Hans Hutzelmann gehörten zum engeren Kreis der Widerstandsgruppe „Antinazistische Deutsche Volksfront“ und kooperierten mit der Gruppe „Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen“. Emma entwendete an ihrem Arbeitsplatz größere Mengen Fett, die sie verkaufte, um illegale Aktionen der ADV oder auch Zivilkleidung für fluchtwillige sowjetische Kriegsgefangene zu finanzieren. Nach Aufdeckung der Gruppe im Januar 1944 wurde Emma verhaftet, konnte jedoch im Juni 1944 aus dem Gefängnis München-Stadelheim fliehen. Sie starb am 27. November 1944 bei einem Fliegerangriff in München. Hans wurde zum Tode verurteilt und am 15. Januar 1945 hingerichtet.

Schörghofer

8 | Karl Schörghofer (1879–1962)
Neuer Israelitischer Friedhof, Ungererstraße (heute Garchinger Straße 37)
Karl Schörghofer war seit 1923 Verwalter des Neuen Israelitischen Friedhofs in München. Im Keller ihres Hauses versteckten er und seine Familie 1943 sieben untergetauchte Jüdinnen und Juden und bewahrten sie so vor der Deportation. Ein jüdisches Mädchen retteten sie durch Unterbringung bei ihrer Tochter in Miesbach. Außerdem versteckten Schörghofer und seine Frau Katharina Thorarollen sowie Wertsachen emigrierter Juden vor dem Zugriff der Nationalsozialisten. 1967 wurde Karl Schörghofer mit seiner Familie von der Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Limmer

9 | Franz Limmer (1908–1993)
Polizeipräsidium, Ettstraße 2
Franz Limmer trat 1928 in den Dienst der Bayerischen Landespolizei ein und wechselte 1934 zur Münchner Polizeidirektion. 1942 erhielt er eine Abordnung zur Einsatzgruppe B in die Sowjetunion. Er wusste, welche Grausamkeiten ihn bei den Einsätzen erwarteten. Trotz massiven Drucks seiner Vorgesetzten konnte er die Abordnung mit dem Hinweis auf die große psychische Belastung verhindern. Er wurde zur Verwaltungspolizei versetzt. Nach 1945 war er wieder bei der Landespolizei in Grünwald tätig. Er trat mehrfach als Belastungszeuge im Spruchkammerverfahren gegen seinen früheren Vorgesetzten auf. Das Gericht schenkte Limmer jedoch keinen Glauben.

Klingenbeck

10 | Walter Klingenbeck (1924–1943)
Kirche St. Ludwig, Ludwigstraße 20
Walter Klingenbeck gehörte bis zu deren Verbot 1936 der katholischen Kinderorganisation „Jungschar“ an. Mit einer Gruppe gleichgesinnter Jugendlicher verfasste er Flugblätter und rief darin zum Sturz des nationalsozialistischen Regimes auf. Die Gruppe hörte „Feindsender“ ab und stellte Rundfunksender her, um damit oppositionelle Nachrichten zu verbreiten. Im Januar 1942 wurde die Gruppe denunziert und verhaftet. Der Volksgerichtshof verurteilte Walter Klingenbeck zum Tod. Am 5. August 1943 wurde er im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Perlacher Forst.

Widerstand heute?

11 | Widerstand heute?
Stimmen der Schülerinnen und Schüler zur aktuellen Bedeutung von Resistenz und Widerstand.

> Download Audioguide komplett MP3-Audiofiles | ZIP | 63,3 MB

> Download Begleitbroschüre Faltplan | PDF | 2,5 MB

Der Audioguide ist auch auf www.br.de/audioguides und in der kostenlosen „Bayern Hören“-App zu finden.

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