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Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute

Vom 8. März bis zum 5. Juni 2017

Sie sind klein, teilweise unscheinbar, aber keineswegs harmlos: Aufkleber, Marken und Sticker, die Judenfeindlichkeit, Rassismus und Hass gegen Minderheiten propagieren. Die neue Sonderausstellung im NS-Dokumentationszentrum München zeigt historische und aktuelle Beispiele solcher kleinformatiger Drucksachen.

Anhand von Klebezetteln lässt sich die Geschichte des Antisemitismus und Rassismus vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute erzählen. Sie transportieren Feindbilder, schüren Vorurteile und rufen zum Teil unverhohlen zu Verfolgung und Gewalt auf. Neben Hass und Hetze findet aber auch die Gegenwehr ihren Ausdruck in diesem Kommunikationsmittel: Die Angefeindeten, engagierte Einzelne und gesellschaftliche Gruppen setzen der Bilderflut eigene Motive entgegen, um den aggressiven Botschaften mit Fantasie und Ideenreichtum zu begegnen.

Die Ausstellung „Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“ wurde vom NS-Dokumentationszentrum München gemeinsam mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und dem Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg konzipiert und realisiert. Sie will den Blick schärfen für Bilder, Parolen und Symbole und dazu anregen, sich mit tradierten und neuen Erscheinungsformen von Antisemitismus und anderen menschenfeindlichen Ressentiments auseinanderzusetzen. Die Ausstellung ist zweisprachig (Deutsch und Englisch).

Blick in die Ausstellung | Foto: Jens Weber
Blick in die Ausstellung | Foto: Jens Weber

„Alltagskultur“ des Hasses“

Antisemitische und rassistische Aufkleber gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Wer sie im privaten Rahmen sammelt oder teilt, vergewissert sich seines Weltbilds und Milieus. Im öffentlichen Raum hingegen dienen die Klebezettel als Vehikel, um die rechtsextremistische Gesinnung in den Alltag und in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren.

Aufkleber wirken suggestiv, sie sind flexibel einsetzbar und haben die Aura des „Authentischen“. Als analoge Kommunikationsmittel funktionieren sie ähnlich wie die heute auf Facebook „geposteten“ oder über andere Soziale Medien verbreiteten Kommentare: Einfache Botschaften werden massenhaft verbreitet und erhalten eine hohe Alltagspräsenz. Rechtsextreme und Rechtspopulisten erzeugen mit ihren aggressiven Hassbotschaften ein Klima der Feindseligkeit und Angst. Neutrale öffentliche Orte werden so zu Angstzonen: Gegenden, in denen sich Juden, Schwarze, Fremde oder andere Minderheiten unerwünscht und bedroht fühlen sollen. Gleichgesinnte hingegen können sich als Teil einer vermeintlich starken Bewegung fühlen. Sie werden in ihrem Denken bestätigt und dazu ermutigt, ähnlich zu handeln. In dieser mobilisierenden Kraft des Mediums liegt die Gefahr: Denn die Aufkleber sind Vorboten physischer Gewalt.

Langlebige Weltbilder und tradierte Feindbilder

Welches Weltbild bergen die scheinbar harmlosen Zettel? Mit welchen Mitteln werden bedrohliche Feindbilder erzeugt? Was bedeuten die Symbole und Parolen? Aus welchem historischen Reservoir bedienen sich rechtsextreme Gruppen heute? Anhand eines breiten Überblicks über historische und aktuelle Aufkleber macht die Ausstellung deutlich, dass der „Krieg der Zettel“ kein Thema der Vergangenheit ist, sondern sich auch in der Gegenwart auf beunruhigende Weise im alltäglichen, öffentlichen Leben manifestiert.

Antisemitismus und Rassismus ausstellen?

Die Ausstellung „Angezettelt“ basiert auf den Erkenntnissen des 2014 abgeschlossenen kulturhistorischen Forschungsprojekts „Sticker und Stigmata“ der Kuratorin Isabel Enzenbach am Zentrum für Antisemitismusforschung. In dessen Rahmen wurden Gebrauch, Bildsprache, Wirkung und Rezeption antisemitischer und rassistischer Aufkleber und ähnlicher Kleindrucksachen eingehend untersucht und analysiert. Um die wissenschaftlichen Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde daraus eine Ausstellung entwickelt.

Forschungsprojekt wie Ausstellung stützen sich auf die wohl umfassendsten Privatsammlungen zum Thema, den Berliner Kollektionen von Wolfgang Haney und Irmela Mensah-Schramm, sowie der Sammlungen im Bundesarchiv und verschiedenen Landesarchiven. Während Haney sich in seiner jahrzehntelangen Sammelleidenschaft auf historische Beispiele aus aller Welt spezialisiert hat, ist Mensah-Schramm seit über 30 Jahren auf der Jagd nach aktuellen Stickern, die sie persönlich mit dem Spachtel von Laternenpfählen, Strommasten oder Sicherungskästen entfernt und mit Datum und Fundort versehen archiviert. In der Ausstellung sind außerdem sechs Thementafeln zu sehen, für die eigens historische und aktuelle Beispiele aus München und Bayern recherchiert wurden.

Katalog

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Er dokumentiert weite Teile der Präsentation, wissenschaftliche Beiträge von Dr. Felix Axster, Dr. Isabel Enzenbach, Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum und Dr. Volker Weiß vertiefen ausgewählte Themenbereiche. Die Museumsausgabe ist für 18 Euro im Buchshop des NS-Dokumentationszentrums München erhältlich (Buchhandelsausgabe: Metropol Verlag Berlin, ISBN 978-3-86331-336-4, 22 Euro).

Bildungs- und Veranstaltungsprogramm

Das NS-Dokumentationszentrum bietet während der gesamten Laufzeit der Ausstellung ein breit gefächertes Veranstaltungs- und Bildungsprogramm an. Neben der Kuratorin Isabel Enzenbach und der Sammlerin Irmela Mensah-Schramm beteiligen sich renommierte Historikerinnen und Historiker wie Stefanie Schüler-Springorum, Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin, und Michael Brenner, Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität. Für Diskussionen und dialogische Rundgänge konnten unter anderem der Buchautor Ibraimo Alberto, der Rechtsextremismusexperte Robert Andreasch und der Aktivist Omid Atai gewonnen werden. Sie werden über ihre Erfahrungen mit Rassismus im Alltag und Fremdenfeindlichkeit in der Öffentlichkeit sprechen. Ebenso werden individuelle und gesellschaftliche Möglichkeiten der Abwehr antisemitischer und rassistischer Hetze aufgezeigt und diskutiert.

Für Schulklassen, Multiplikatoren und andere Gruppen hat das NS-Dokumentationszentrum Workshops, Seminare und Rundgänge konzipiert, die das Thema Antisemitismus aus unterschiedlicher Perspektive behandeln. Die verschiedenen Angebote sind für Schulklassen ab der 9. Jahrgangsstufe (Mittelschule 8. Jahrgangsstufe) bis zur Oberstufe und für Erwachsene geeignet.

Jeden Dienstag findet jeweils um 17.30 Uhr ein Rundgang durch die Ausstellung statt. Die Teilnahme ist im Eintritt inbegriffen, Treffpunkt ist im Foyer (begrenzte Teilnehmerzahl).

> Download Flyer Veranstaltungs- und Bildungsprogramm zur Sonderausstellung  „Angezettelt“

Aufkleber und Klebezettel mit antisemitischen, rassistischen und islamfeindlichen Inhalten
(von links: 2016, 2016, 2015, um 1900). © NS-Dokumen­tationszentrum München

Siehe auch

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