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Pressemeldungen

Pressemeldung, 28.11.2017

Neue Sonderausstellung: Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945

Ab dem 29. November ist im NS-Dokumentationszentrum München die Ausstellung „Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945“ zu sehen. Die Morde der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ und die Anschläge auf Asylunterkünfte und Geflüchtete haben die Themen Rechtsextremismus und rechtsextreme Gewalt verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Rechtspopulistische Parteien schüren Fremdenfeindlichkeit, vermeintliche „Patrioten“ treten zur „Rettung des Abendlandes“ an und tragen zur Verrohung von Sprache und Denken bei.

Die neue Sonderausstellung des NS-Dokumentationszentrums München greift diese Entwicklungen auf und verortet sie in Geschichte und Gesellschaft. Sie dokumentiert rechtspopulistische, rechtsradikale und rechts extremistische Akteure, Organisationen und Parteien von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Anhand exemplarischer Dokumente, zumeist aus München und Bayern, werden Aktivitäten bis hin zu Gewalttaten des rechten Spektrums aufgezeigt. Ein eigener Teil der Ausstellung ist der rechtsextremen Ideologie gewidmet. Er klärt auf über die demokratie- und menschenfeindlichen Elemente dieser Weltanschauung – wie etwa Rassismus, Sozialdarwinismus und Nationalchauvinismus. Die Exponate verdeutlichen, mit welchen Strategien und Methoden dieses Gedankengut verbreitet wird und in wieweit es für die Mitte der Gesellschaft anschlussfähig ist. Auch die – oft mangelhafte – demokratische Gegenwehr gegen die Umtriebe der extremen Rechten wird behandelt.

Gründungsdirektor Winfried Nerdinger betont: „Um den demokratie- und menschenfeindlichen Bestrebungen der extremen Rechten wie auch rechter Gruppierungen entgegentreten zu können, muss man deren Ideologie und Methoden kennen und sich damit auseinandersetzen. Dazu will die neue Sonderausstellung im NS-Dokumentationszentrum München beitragen.“

Die Ausstellung ist in Kooperation mit der Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt München und der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e. V. (a.i.d.a.) entstanden. Begleitend wird ein umfassendes Bildungs- und Veranstaltungsprogramm angeboten und es erscheint ein Katalog (Metropol Verlag, Museumsausgabe: ISBN 978-3-946041-18-4, 28 Euro). Aktuelle Informationen sind auf www.ns-dokuzentrum-muenchen.de zu finden.

Das NS-Dokumentationszentrum ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 19 Uhr geöffnet (erweiterte Öffnungszeiten für Schulklassen und Gruppen nach Vereinbarung). Bis 18 Jahre Eintritt frei, Erwachsene 5 Euro (ermäßigt 2,50 Euro).

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Pressemeldung, 26.10.2017

Zeitzeugin besucht das ehemalige Zwangsarbeiterlager in Neuaubing

Die frühere Zwangsarbeiterin Anna Waldimirowna im ehemaligen RAW-Lager München-Neuaubing, Oktober 2017 | © Orla Connolly

Die Zeitzeugin Anna Wladimirowna kehrte auf Einladung des NS-Dokumentationszentrums München an den Ort zurück, an dem sie als junges Mädchen Zwangsarbeit leisten musste: Am 23. Oktober 2017 besuchte sie das ehemalige Zwangsarbeiterlager des Reichs bahn ausbesserungswerks (RAW) in Neuaubing. Die heute in Riga lebende 86-Jährige ist eine der wenigen noch lebenden früheren Insassen des Lagers. Sie wird vermutlich die einzige bleiben, der eine Reise an den historischen Ort ihrer Ausbeutung noch möglich ist, um hier von dem großen Verbrechen der NS-Zwangsarbeit zu erzählen.

Das in München-Neuaubing erhaltene Barackenlager ist als letztes Geschichtszeugnis dieser Art in Süddeutschland von großer historischer Bedeutung. Auf dem Gelände entsteht ein Erinnerungsort als Dependance des NS-Dokumentationszentrums München, für den ein Konzept entwickelt worden ist. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangs arbeiter sollen im Mittelpunkt der künftigen Ausstellung stehen. Dafür sucht das NS-Dokumentationszentrum gezielt nach Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.

Zu den in Neuaubing eingesetzten Zwangsarbeitern war lange Zeit nichts bekannt. Inzwischen konnten jedoch mehrere noch lebende Personen gefunden werden. Anna Wladimirowna (geb. 1931) war mit ihrer Mutter und zwei Schwestern von September 1944 bis April 1945 im Zwangsarbeiterlager des Reichsbahnausbesserungswerks  München-Neuaubing (RAW) untergebracht. Als Zehnjährige erlebte sie 1941 den Kriegsausbruch und das Wüten der deutschen Besatzer in ihrem Heimatort Dubrowka/Russland. 1943 wurde sie mit ihrer Familie in Güterwaggons nach Deutschland verschleppt. Aus der Zeit im Lager berichtet sie von Hunger und harter Arbeit. Da es wenig zu Essen gab, ging sie bei den benachbarten Wohnhäusern betteln: „Gib mir ein Kartoffel oder ein klein Stück Brot.“, diesen deutschen Satz kann sie noch heute. Wladimirowna war an der Werkbank eingesetzt. Sie erinnert sich an das Einspannen und Zerschneiden von Draht, an das Feilen großer Metallteile, an die von der Arbeit müden Hände.

Das NS-Dokumentationszentrum hat neben Anna Wladimirowna weitere Zeitzeugen (zwei Russinnen und zwei Italiener) ausfindig gemacht, die als Zwangsarbeiter oder Kinder von Zwangsarbeitern im RAW-Lager untergebracht waren. Darüber hinaus wurde Kontakt zu etwa 50 Familien geknüpft, die Informationen und Fotografien zu bereits verstorbenen Betroffenen zur Verfügung stellen können. So konnten viele Biographien ermittelt und Audio- und Filminterviews geführt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse und Dokumente dienen der Vorbereitung der künftigen Dokumentation und fließen in die Informations- und Bildungsangebote des Erinnerungsorts Zwangs arbeiterlager Neuaubing ein. Die Suche nach Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und die Aufklärung ihrer Schicksale sollen fortgeführt und auf weitere Herkunftsländer, insbesondere Polen und Holland, ausgeweitet werden.

Pressebilder und weiteres Informationsmaterial sind erhältlich über presse.nsdoku@muenchen.de sowie Telefon 089/233-67014.

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Pressemeldung, 19.10.2017

Abschluss der Grabungen auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Allach

Auf dem Grundstück an der heutigen Granatstraße 12, östlich der Siedlung Ludwigsfeld, befand sich während des NS-Regimes ein Teil des Außenlagerkomplexes Allach des KZ Dachau. Dort waren Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht, die für die Firma BMW und die Organisation Todt arbeiten mussten.

Aufgrund einer Vermutung, dass auf dem Gelände KZ-Häftlinge in Massengräbern verscharrt worden seien, wurde ab dem Frühjahr 2016 das Gesamtareal mit kontinuierlicher wissenschaftlicher Begleitung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege voll­flächig archäologisch untersucht. Die nun abgeschlossenen Grabungen haben diese Vermutung nicht bestätigt.

Es wurden noch vorhandene bauzeitliche bauliche Strukturen des Lagers freigelegt und dokumentiert. Dabei geborgene Reste von Alltagsgegenständen wie Geschirr und Kleidung wurden dokumen­mentiert und konservatorisch gesichert. Sie sollen der KZ-Gedenk­stätte Dachau übergeben werden. In einem letzten Verfahrensschritt wurde das im nordöstlichen Teil des Grundstücks befindliche Areal des 1950 errichteten KZ-Friedhofs Karlsfeld untersucht. Grundlage war dabei eine 1950 erstellte Kartierung von 111 Grabstellen. Bei den hier Bestatteten handelt es sich unter anderem um Opfer einer Typhus-Epidemie nach der Befreiung der Häftlinge. 1955 wurden diese exhumiert und auf dem KZ-Friedhof auf dem Leitenberg erneut bestattet. Der KZ-Friedhof Karlsfeld wurde aufgelöst.

Bei der nun erfolgten archäologischen Untersuchung dieses Areals wurden zwölf vollständige Skelette und wenige einzelne Gebeine gefunden und in einer anthropologischen In-situ-Befundung dokumentiert. Die zwölf Individuen waren sorgfältig begraben und entsprechen in Lage und Anordnung der ehemaligen Kartierung, sodass mit größter Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass die Exhumierung 1955 nicht vollumfänglich durchgeführt worden ist. Daher wurde in Absprache mit den Verbänden der Überlebenden und den zuständigen Institutionen beschlossen, die zwölf Skelette individuell in einer würdevollen multireligiösen Zeremonie in einem nahe gelegenen Friedhof zu bestatten, wie dies 1955 ebenfalls erfolgte.

Damit ist die mehrjährig andauernde Untersuchung des Grundstücks Granatstaße 12 abgeschlossen. Die weiteren Planungen zur zukünftigen Bebauung des Grundstücks sind Angelegenheit der zuständigen Planungsbehörden.

Die Untersuchungen begleitete ein Runder Tisch unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger, Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums München. In dem Gremium waren das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, die Stiftung Bayerische Gedenkstätten, die KZ-Gedenkstätte Dachau, die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern, die Abteilung Stadtgeschichte des Kulturreferats, mehrere Fachleute sowie die Projektgesellschaft „PG Granatstr. 12“ vertreten. Der Projekt­gesellschaft gilt der Dank für die Initiierung und Finanzierung der aufwändig und professionell durchgeführten Grabungen.

> Download Pressemeldung vom 19.10.2017 | PDF | 48 KB


Weitere Pressemeldungen

> Pressemeldung, 19.10.2017: Abschluss der Grabungen auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Allach
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> Pressemeldung, 13.10.2017: Neuerscheinung: Die christlichen Kirchen im „Dritten Reich“
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> Pressemeldung, 5.10.2017: Preis für Projekte zur Aufklärung über den Nationalsozialsozialismus
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> Pressemeldung, 13.09.2017: Ausstellungseröffnung „Erinnerung Erinnerung bewahren. Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939–1945“
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> Pressemeldung, 05.07.2017: Neuerscheinung „Stadt und Erinnerung“
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> Pressemeldung, 21.06.2017: Eröffnung der Sonderausstellung „Alfred Hrdlicka. Wie ein Totentanz – Die Ereignisse des 20. Juli 1944“ von 22. Juni bis 27. August 2017
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> Pressemeldung, 07.03.2017: Eröffnung der Sonderausstellung „Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“ von 8. März bis 5. Juni 2017
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> Pressemeldung, 11.11.2016: Kein Gräberfund bei erster Untersuchung auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Allach
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> Pressemeldung, 26.10.2016: Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Die Verfolgung der Sinti und Roma in München und Bayern 1933-1945"
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> Pressemeldung, 20.7.2016: Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Adolf Frankl - Kunst gegen das Vergessen"
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> Pressemeldung, 23.6.2016: Präsentation des neuen Audioguides „Ehemaliges Zwangsarbeiterlager Neuaubing"
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> Pressemeldung, 28.4.2016: Ein Jahr NS-Dokumentationszentrum München: Bilanz und Ausblick
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> Pressemeldung: 200.000. Besucher im NS-Dokumentationszentrum
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> Pressemeldung: NS-Dokumentationszentrum setzt digitale Zeichen am historischen Ort
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> Pressemeldung: Ortstermin Erinnerungsort „Zwangsarbeiterlager Neuaubing"
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> Pressemeldung: Deutsch-französische Extremismustagung im Zeichen der Pariser Anschläge
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> Pressemeldung „Aktionswochen gegen Antisemitismus"
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> Pressemeldung „Der Warschauer Aufstand 1944"
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> Pressemeldung Wechsel Sonderausstellungsbereich
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> Pressemeldung 100.000. Besucher
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> Pressemeldung Rückblick 1. Monat
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> Pressemeldung Eröffnung
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