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Aktuelle Pressemeldungen

Mirjam Zadoff, Direktorin NS-Dokumentationszentrum München, und Arne Ackermann, Direktor Münchner Stadtbibliothek | Foto: Orla Conolly


Pressemeldung | 31. Januar 2019

Graphic Novel über Anne Frank erhält Preis des NS-Dokumentationszentrums München

„Anne Frank’s Diary: The Graphic Adaption“ von Ari Folman und David Polonsky erhält den Preis des NS-Dokumentationszentrums München, der 2019 zum ersten Mal verliehen wird. Der Kulturausschuss des Münchner Stadtrats folgt damit der Empfehlung der Jury unter Vorsitz des Kulturreferenten Hans-Georg Küppers.

Das Tagebuch der Anne Frank ist eines der wichtigsten Dokumente des Holocaust. Die Umsetzung als Graphic Novel folgt einem aktuellen Trend, schwer erzählbare Themen wie Krieg oder Verfolgung mit alternativen Methoden darzustellen. Über eine Jugendlichen vertraute Bildästhetik werden historische Ereignisse in unmittelbare Nähe herangezoomt, zugleich schafft die zeichnerische Umsetzung eine Verfremdung und einen Abstand zur Geschichte. Diese Dialektik von Nähe und Distanz öffnet einen Raum für die Darstellung und Vermittlung von Emotionen, Ängsten, Hoffnungen und Innensichten der Erfahrungs- und Gedankenwelt des jungen Mädchens im Versteck vor den Nationalsozialisten.

Glaubt man, es gäbe nichts Neues mehr zu sagen über Anne Franks Tagebuch, so wird man von Folman und Polonsky überrascht: In ihrer Erzählung und ihren Zeichnungen wird die Geschichte des Amsterdamer Hinterhauses noch einmal lebendig: die Enge, die fehlende Privatsphäre, die stumm ausgetragenen Konflikte, die Bedrohung durch Nachrichten von draußen. Besonders beeindruckend ist die bildliche Umsetzung von Annes Innenleben, das mal ironisch, mal spöttisch und zusehends depressiv auf die Umgebung reagiert. In fast immer bunten, nur manchmal in Sepia gehaltenen Bildern, werden den Leserinnen und Lesern die Ängste, Gefühle, Wunschträume, Erinnerungen und Zukunftshoffnungen dieses klugen, jungen Mädchens nahe gebracht; und zusehends auch ihre albtraumhaften Phantasien, die den immer detaillierteren Berichten über die Lager und die drohende Vernichtung entwachsen.

„Folman und Polonskys ‘Tagebuch der Anne Frank’ vereint in sich zentrale Aspekte der Arbeit des NS-Dokumentationszentrums München, die an der Schnittstelle von Wissen, Vermittlung und Kunst verortet ist. Die Autoren übersetzen die Geschichte des Holocaust in eine künstlerische Sprache, die das Unfassbare und Unbeschreibliche begreifbar macht. Ihre eindringlichen Bilder entfalten eine starke Wirkung. Sie erreichen auch jene Leserinnen und Leser, die über wenig historisches Vorwissen oder Lesekompetenz verfügen. Sich als Künstler mit diesem schweren Thema zu befassen erfordert ein hohes Maß an Mut, Sensibilität und Könnerschaft. Folman und Polonsky leisten einen wertvollen und wegweisenden Beitrag im Bemühen um eine sich stets weiterentwickelnde, lebendige Erinnerungskultur“, heißt es in der Begründung der Jury.

Die Vollversammlung des Stadtrats hatte am 23.11.2017 beschlossen, ab 2018 biennal den Preis des NS-Dokumentationszentrums in Höhe von 8.000 Euro für herausragende Publikationen und Aktivitäten zur Aufklärung über die Verbrechen des NS-Regimes sowie über Folgen und Weiterwirken der NS-Zeit zu verleihen. Bei der Auswahl der Beiträge wird besonderes Augenmerk auf eine hohe Qualität, eine breite gesellschaftliche Wirkung und eine zeitgemäße, zukunftsorientierte Ausgestaltung gelegt.

„Anne Frank’s Diary: The Graphic Adaption“ ist in der deutschen Auflage 2017 im S. Fischer Verlag erschienen und ab Montag, 4. Februar 2019, in allen Münchner Stadtbibliotheken erhältlich.

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Pressemeldung | 10. Januar 2019

Das NS-Dokumentationszentrum München stellt sein neues Programm vor

Im Jahr 2019 wird sich das NS-Dokumentationszentrum München mit mehreren Ausstellungen und einem neuen Veranstaltungsprogramm verstärkt internationalen, aktuellen und politischen Fragestellungen widmen und diese in ihrem historischen und erinnerungskulturellen Kontext diskutieren. Die Themen Rassismus, Genozid und Holocaust sind Schwerpunkte des neuen Jahresprogramms und werden in Vorträgen, Gesprächen und anderen Formaten aus geschichtlicher und aus gegenwärtiger Perspektive beleuchtet. Darüber hinaus beschäftigt sich das NS-Dokumentationszentrum im Rahmen von Ausstellungen und Veranstaltungen mit der Zukunft der Erinnerungskultur und der politischen Dimension von Museen und Erinnerungsorten.

Das neue Angebot wird mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern auf lokaler, bundesweiter und internationaler Ebene realisiert. Es wurde unter der neuen Direktorin Mirjam Zadoff entwickelt, die das NS-Dokumentationszentrum München seit Mai 2018 leitet.

„Das NS-Dokumentationszentrum München ist ein Haus mit offenen Türen in viele unterschiedliche Richtungen. Wir richten uns an die Münchner Stadtgesellschaft in ihrer wachsenden Diversität ebenso wie an ein internationales Publikum.”, sagt Direktorin Mirjam Zadoff. „So vielfältig unser Publikum ist, so vielfältig sind auch unsere Themen. Immer mehr Menschen suchen in Anbetracht der politischen Veränderungen in Europa und den USA nach Antworten in der Vergangenheit: Warum entstehen Diktaturen, warum wählen Menschen liberale Demokratien ab und entscheiden sich für autoritäre Regime, Vorstufen zu Diktaturen? Warum sind Gleichberechtigung, Offenheit und Vielfalt unter Beschuss geraten und werden von Ausgrenzung, Homogenität und Enge abgelöst? Wir beobachten ein neu erwachtes Interesse an Geschichte, vor allem an der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Für unser Programm bedeutet dies, dass wir – neben klassischen NS-Themen – aktuelle Bezüge herstellen, internationaler werden, interdisziplinärer und partizipativer. Wir haben im vergangenen Jahr bereits viel angestoßen, sind neue Kooperationen eingegangen und probieren andere Formate aus. Unsere deutlich steigenden Besucherzahlen bestärken uns darin, diesen Weg weiterzugehen.”

Die Vermittlung von Geschichte gegenüber einer breiten Öffentlichkeit ist eine zentrale Aufgabe des NS-Dokumentationszentrums München. Hierzu werden kontinuierlich neue partizipative und inklusive Bildungs­angebote entwickelt, die geschichtliches Wissen vermitteln und zu einer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragen der Gegenwart beitragen. Neben der Entwicklung einer digitalen Strategie hat sich das NS-Dokumentationszentrum München für das kommende Jahr vorgenommen, insbesondere die Frage in den Blick zu nehmen, wie man die NS-Geschichte und damit verwandte Themen für ein vielfältiges und von Migration geprägtes Publikum erschließt und zur Diskussion stellt. Für das Projekt Erinnerungsort Zwangsarbeiterlager Neuaubing wird im kommenden Jahr die inhaltliche und konzeptionelle Detailplanung fortgeführt.

Aus dem vielfältigen Angebot der Abendveranstaltungen seien hier nur einige der hochkarätigen Referentinnen und Referenten herausgegriffen: Géraldine Schwarz (22.1.) Christopher Clark (31.1.), Ibram X. Kendi (18.2.), Omer Bartov (24.6.), Ian Buruma (27.6.), Andrea Pető (1.7.) und Roger Cohen (4.7.). Neben großen Namen wie diesen wird das NS-Dokumentationszentrum auch junge Stimmen zu Wort kommen lassen. Es gibt neue, spannende und überraschende Themen und Positionen zu entdecken – und zwar aus unterschiedlichen Bereichen: Geschichte, Musik, Literatur, Kunst, Popkultur und Film.

Im Rahmen der historisch-politischen Bildungsarbeit wird eine Spring School angeboten, die den Umgang mit nationalsozialistischer Täterschaft an historischen Orten und im Familiengedächtnis zum Gegenstand hat. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie unsere gegenwärtige Gesellschaft mit der Erinnerung an die Akteure der NS-Zeit umgeht und welche vielfältigen Nachwirkungen die nationalsozialistische Täterschaft bis heute hat. Die Spring School findet von 1. bis 4. April 2019 statt und richtet sich an Multiplikatoren, Lehrkräfte und Studierende.

Im Juni wird es eine Tagung mit internationalen Experten zum Thema „Gewalt im Nachkrieg – Postwar Violence 1945–1949“ geben. Die prominent besetzte Konferenz nimmt die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Europa als eine Phase der entgrenzten Gewalt in den Blick. Dabei werden neue Ansätze aus der Gewalt­forschung aufgegriffen und neben Akteuren auch Räume, Situationen und Praktiken von Gewalt als ganzheitliches Szenario betrachtet.

2019/2020 werden unter anderem folgende Ausstellungen zu sehen sein:

Ronit Agassi. The Fifth Season
14|02–05|05|2019

Nicht Schwarzweiß. Eine Intervention in Farbe
28|02–05|05|2019

DIE STADT OHNE. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge
30|05–10|11|2019

Tell me about yesterday tomorrow
28|11|2019–30|08|2020

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Pressemeldung | 25. Oktober 2018

Ein lebendiger Erinnerungsort für Neuaubing: Konzept für das ehemalige Zwangsarbeiterlager verabschiedet

In Neuaubing soll auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers als Dependance des NS-Dokumentationszentrums München bis 2022 ein lebendiger Erinnerungsort entstehen. Bei seiner Vermittlungsarbeit möchte das NS-Dokumentationszentrum neue Wege gehen und die historische Bedeutung des Ortes mit der gegenwärtigen kulturellen Nutzung verknüpfen. In der Sitzung am 24. Oktober hat die Vollversammlung des Münchner Stadtrats dem vorgelegten Konzept des NS-Dokumentationszentrums zugestimmt.

Das Areal an der Ehrenbürgstraße 9 ist das einzige weitgehend vollständig erhaltene Zwangsarbeiterlager im süddeutschen Raum. In zwei der acht historischen Baracken sowie in Teilen des Außenbereichs soll dauerhaft an das lange verdrängte Verbrechen der nationalsozialistischen Zwangsarbeit erinnert werden.

Das ehemalige Lagergelände im Münchner Westen zeichnet sich durch eine gewachsene soziokulturelle Vielfalt aus. Es wird heute unter anderem von Künstlerinnen und Künstlern, Handwerkern und zwei pädagogischen Einrichtungen genutzt. Mit ihnen findet während der Entwicklung des Projekts ein reger Austausch statt.
Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers: „Das vorgelegte Konzept verspricht eine zeitgerechte und zukunftsfähige Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem historischen Ort und seiner Geschichte. Ich freue mich, dass Mirjam Zadoff damit auch eine Realisierung des Projekts im Einklang mit den derzeitigen Nutzungen möglich macht.“

„In Neuaubing möchten wir neue didaktische Formate anbieten, die zur Entwicklung einer partizipativen und handlungsorientierten Erinnerungskultur beitragen“, so Mirjam Zadoff. „Neben der Vermittlung von historischem Wissen soll zum Nachdenken angeregt werden, sowohl über die Vergangenheit als auch über gesellschaftspolitische Fragen, wie etwa aktuelle Formen der Ausbeutung.“

Im Außenraum des Geländes und in einer der erhaltenen Baracken soll eine methodisch vielfältige multimediale Ausstellung realisiert werden. Neben der Geschichte des Lagergeländes wird die Geschichte der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in München, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen, umfassend geschildert und zugänglich gemacht. Des Weiteren werden die Profiteure des Ausbeutungssystems dargestellt, bei denen Münchner Unternehmen, staatliche und städtische Verwaltungseinrichtungen involviert waren. Eine zweite Baracke soll als „Erinnerungswerkstatt“ mit multifunktionaler Ausstattung jungen Erwachsenen die Möglichkeit bieten, zum Beispiel gemeinsam mit Kunstschaffenden, ihren eigenen Zugang zur Vergangenheit zu finden.

Am NS-Dokumentationszentrum München wird die Geschichte des Lagerkomplexes sowie die der Zwangsarbeit auf dem gesamten Stadtgebiet seit einigen Jahren intensiv erforscht. Im April 2018 ist eine Publikation erschienen, die den aktuellen Forschungsstand dokumentiert: Zwangsarbeit in München. Das Lager der Reichsbahn in Neuaubing, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, Metropol Verlag 2018, ISBN978-3-86331-040-0, 28 Euro.

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Schülerinnen und Schüler der Mittelschule an der Guardinistraße zeigen ihre Tanz-Theater-Performance „Stranger than – Aus Nachbarn werden Fremde“ | Foto: Orla Connolly


Pressemeldung | 5. Juli 2018

Theaterprojekt „Stranger than“ mit BKM-Preis Kulturelle Bildung 2018 ausgezeichnet

Am vergangenen Freitag wurde dem NS-Dokumentationszentrum für ein Gemeinschaftsprojekt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters der BKM-Preis Kulturelle Bildung 2018 verliehen. Ausgezeichnet werden jährlich Projekte, die Kunst und Kultur innovativ und nachhaltig vermitteln - und bislang unterrepräsentierte Zielgruppen besonders berücksichtigen. Das vom NS-Dokumentationszentrum begleitete Projekt „Stranger than – Aus Nachbarn werden Fremde“ hat einen der drei mit jeweils 20.000 Euro dotierten Preise erhalten.

In der Begründung der Fachjury heißt es: „Diese Annäherung an Themen historischer und gesellschaftspolitischer Relevanz mit den Mitteln von Tanz und Theater, mit Sprache und Körper überzeugte die Jury, die darin einen beispielhaften und zukunftsweisenden Ansatz in der Geschichtsvermittlung und Erinnerungsarbeit mit Jugendlichen und Migranten sieht.“

Im Schuljahr 2016/2017 realisierte das NS-Dokumentationszentrum gemeinsam mit dem Verein Spielen in der Stadt e. V. das kulturpädagogische Projekt „Stranger than“. Zwei Kulturpädagoginnen erarbeiteten die Tanz- und Theaterperformance mit 22 Schülerinnen und Schülern der Mittelschule an der Guardinistraße im Alter zwischen 14 und 16 Jahren, die sich über ein Jahr lang mit der NS-Geschichte intensiv auseinandersetzten.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung standen die Themen Ausgrenzung und Toleranz. Bei einem Besuch der Dauerausstellung „München und der Nationalsozialismus“ und einem Stadtrundgang zur NS-Geschichte erfuhren die Schülerinnen und Schüler Näheres über die nationalsozialistische Vergangenheit der Stadt München und die Folgen der Diktatur. Das Seminar „Jugend im Nationalsozialismus“ brachte ihnen das Thema „Ausgrenzung“ näher und zwar anhand von Biografien von Jugendlichen aus München, die in der NS-Zeit ausgegrenzt, verfolgt und teilweise ermordet wurden. Besonders eindrucksvoll für die Schülerinnen und Schüler war ein Zeitzeugengespräch mit dem Überlebenden Ernst Grube. Ein Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte Dachau führte den Jugendlichen die Ausgrenzungs-, Verfolgungs- und Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten vor Augen.

Aus der Beschäftigung mit der Situation und den Handlungsmöglichkeiten junger Menschen in der nationalsozialistischen Ausgrenzungsgesellschaft leiteten die Jugendlichen ein Gegenwartsbezug ab: Was geht mich das heute noch an? Was ist Empathie? Was ist Respekt? Wann muss ich einschreiten? Oder ganz allgemein: Was kann ich tun? – Diese Fragen fanden Eingang in die Tanz- und Theater-Performance, die im Mai 2017 im NS-Dokumentationszentrum ihre eindrucksvolle Premiere hatte. Die gelungene Umsetzung des Projekts hat gezeigt, dass kulturpädagogische Methoden ein fruchtbarer Ansatz für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sein können.

„Stranger than“ ist ein Projekt im Rahmen der Programmlinie CultureClouds, die der Verein Spielen in der Stadt e.V. seit Jahren zusammen mit verschiedenen Münchner Partnerschulen und Akteuren der kulturellen Bildung an neuen Formen kultureller Ganztagsbildung realisiert.

Eine Fortsetzung der Kooperation ist in Planung: Diesmal soll zusammen mit Schülerinnen und Schülern eine Tanz- und Theaterperformance zum Thema Flucht und Vertreibung erarbeitet und im Rahmen des Tanz- und Theaterfestivals Rampenlichter 2019 im Theater schwere reiter aufgeführt werden.

Weitere Informationen sind auf der Projektseite der Kooperationspartner und in der Pressemitteilung der Bundesregierung zu finden.

Gerne stellen wir Ihnen auf Anfrage Bildmaterial für die Berichterstattung zur Verfügung: presse.nsdoku(@)muenchen.de, Telefon 089/23367014.



Pressemeldung | 22. Juni 2018

Horchposten 1941 | я слышу войну
Deutsch-russische Klanginstallation

05|07| bis 15|07|2018

Ab dem 5. Juli stellt das NS-Dokumentationszentrum die interaktive russisch-deutsche Klanginstallation „Horchposten 1941 | я слышу войну“ aus. Das Audioprojekt thematisiert den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Im Zentrum der vielstimmigen Collage steht die Blockade Leningrads durch die Wehrmacht, in der in 900 Tagen ab September 1941 über eine Millionen Menschen durch Hunger, Kälte und Granaten starben. „Horchposten” befasst sich darüber hinaus mit dem weiteren Kriegsgeschehen und beschreibt das Leben, Kämpfen, Töten und Sterben der Menschen, Opfern wie Tätern, Soldaten wie Zivilisten. Die vertonten Texte wurden aus Tagebüchern, Briefen sowie politischen und militärischen Zeitdokumenten aus Deutschland und der Sowjetunion zusammengestellt.

Die Installation wird am Mittwoch, 4. Juli, um 19 Uhr im Auditorium des NS-Dokumentationszentrums München, Max-Mannheimer-Platz 1, eröffnet. Zur öffentlichen Vernissage berichten die beiden Autoren Jochen Langner und Andreas Westphalen über die Entstehung des mit vielen Partnern realisierten Dialogprojekts. Der Historiker Jörg Ganzenmüller von der Friedrich-Schiller-Universität Jena erläutert den historischen Hintergrund des Themas.

Die interaktive russisch-deutsche Klanginstallation „Horchposten 1941 | я слышу войну“ bietet einen individuell erfahrbaren Erinnerungsraum zum deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, insbesondere der Belagerung Leningrads. Das Ziel ist es, den russischen und deutschen Besuchern nicht nur die Erfahrung der Kriegsgeneration des jeweils eigenen Landes zu präsentieren, sondern zugleich einen Perspektivwechsel zu ermöglichen, in dem sie auch den Blickwinkel des ehemaligen Feindes einnehmen können. Dadurch gibt die Installation die Gelegenheit zu einem dialogischen Erinnern, jenseits der typischen nationalen Blickwinkel.

„Horchposten 1941 | я слышу войну“ ist eine Produktion des Deutschlandfunks mit Radio Echo Moskau und dem Westdeutschen Rundfunk. Das Auswärtige Amt, die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die ZEIT-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung Moskau und das Deutsch-Russische Forum haben das Projekt gefördert.

Wir freuen uns auf Ihre Ankündigung und Berichterstattung. Mehr Informationen zum Projekt sowie Kontakt zu den Mitwirkenden sind über presse.nsdoku (at) muenchen.de erhältlich. Eine Vorbesichtigung der Installation mit den Autoren ist am 4. Juli auf Anfrage am Vormittag oder Nachmittag möglich: presse.nsdoku (at) muenchen.de, Telefon 089/233-67014.


Siegerentwurf von Arnold Dreyblatt im Wettbewerb für ein Mahnmal zur Bücherverbrennung am Königsplatz. | © Arnold Dreyblatt


Pressemeldung | 9. Mai 2018

Dreyblatt gestaltet Mahnmal zur Bücherverbrennung

Der US-amerikanische Künstler Arnold Dreyblatt soll das Mahnmal zur Bücherverbrennung am Königsplatz gestalten. Sein Entwurf mit dem Titel „Die Schwarze Liste“ hat sich in einem 2017 ausgeschriebenen Wettbewerbsverfahren durchgesetzt. Heute hat der Kulturausschuss beschlossen, dem Urteil der Jury zu folgen und Dreyblatts Entwurf zu realisieren.

Das kreisförmige Denkmal wird am mutmaßlichen Ort der nationalsozialistischen Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 entstehen, auf der zentralen Kiesfläche vor der Staatlichen Antikensammlung. Die in den Boden eingelassene, begehbare Scheibe aus glasfaserverstärktem Kunststoff hat einen Durchmesser von knapp acht Metern. Sie trägt eine Spirale aus 9600 Buchstaben: Bei dem Text handelt es sich um 359 Buchtitel von im nationalsozialistischen Deutschland geächteten Autorinnen und Autoren. Die Auswahl basiert auf der historischen „Schwarzen Liste“ des Berliner Bibliothekars Wolfgang Herrmann, die im Mai 1933 mehrfach veröffentlicht wurde und grundlegend bei der Auswahl der damals verbrannten Werke war.

Die Buchtitel der Spirale sind ohne Interpunktion aneinandergereiht, so entstehen assoziationsreiche Wortketten, die neue Bezüge und Bedeutungen herstellen: „DEUTSCHLANDS THEATER BISMARCK UND SEINE ZEIT EINER SAGT DIE WAHRHEIT DAS KUNSTSEIDENE MÄDCHEN … ÜBER FÜNF EHEN AUS DER ZEIT DAS KOMMUNISTISCHE MANIFEST BILDER DER GROSSSTADT DIE LESSING-LEGENDE ZUR GESCHICHTE UND KRITIK“. Dieser fortlaufende Text soll ein „poetisches Fenster“ in eine untergegangene Welt öffnen und zugleich auf deren aktive Zerstörung hinweisen. Die Spiralform nimmt Bezug auf den Verbrennungsakt, auf die Spirale aus Rauch und brennenden Seiten, wie sie in historischen Aufnahmen von Bücherverbrennungen zu sehen ist. Die Jury lobte an Dreyblatts Entwurf, dass die geistige und kulturelle Leistung der Autorinnen und Autoren im Mittelpunkt steht und nicht der Akt des Verbrennens und Vernichtens. Die Aussage des Kunstwerks sei mehrdimensional und wirke in die Gegenwart und Zukunft: Auf der einen Seite wird zu einer Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Ideologie angeregt, auf der anderen Seite zur Beschäftigung mit dem verfemten Kulturgut selbst.

Der 1953 in New York geborene Arnold Dreyblatt lebt und arbeitet seit 1984 in Berlin und hat sich als Komponist und Medienkünstler einen Namen gemacht. Viele seiner Installationen im öffentlichen Raum beschäftigen sich mit erinnerungskulturellen Themen, vielfach geht es um Prozesse des Erinnerns und Vergessens, des Sammelns und Archivierens. Hervorgehoben seien in diesem Zusammenhang Dreyblatts Arbeiten für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück („Liberation“, „Calendarium“ und „Inmates I & II“, 2014/15), die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen („Das Dossier“, 2013), das Bundeslandwirtschaftsministerium („Inschriften“, 2010) und das Jüdische Museum Berlin („Unausgesprochen“, 2008).

Für den Wettbewerb und die Realisierung des Kunstwerks ist ein Budget von 120.000 Euro angesetzt. Neben dem Bodendenkmal wird es eine erklärende Hinweistafel und eine Webseite mit Hintergrundinformationen zu den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen geben. Die Einweihung des Mahnmals soll voraussichtlich noch im Jahr 2018 erfolgen.

> Download Pressemeldung vom 9. Mai 2018 PDF | 523 KB

> Pressefotos zum Entwurf von Arnold Dreyblatt PNG/ZIP | 3,1 MB


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Deutsch-russische Klanginstallation

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