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Presseinformationen

Aktuelle Wechselausstellung

Schüler der Städtischen Berufsschule für Farbe und Gestaltung im NS-Dokumentationszentrum München | Foto: Orla Connolly

Nicht Schwarzweiß. Eine Intervention in Farbe

28|02–05|05|2019

Die Ausstellung „Nicht Schwarzweiß“, die das NS-Dokumentationszentrum München vom 28. Februar bis zum 5. Mai 2019 zeigt, ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der Städtischen Berufsschule für Farbe und Gestaltung. 200 Schülerinnen und Schüler aus sieben Berufszweigen – Fahrzeuglackierer*innen, Maler*innen und Lackierer*innen, Schilder- und Lichtreklamehersteller*innen, Gestalter*innen für visuelles Marketing, Kirchenmaler*innen und Maler*innen, Vergolder*innen – haben mit eigenen Bildern, Objekten und Texten die Dauerausstellung „München und der Nationalsozialismus“ kommentiert und illustriert. Während die Dauerausstellung auf Schwarzweiß-Fotos basiert und bewusst auf emotionalisierende oder immersive Elemente verzichtet, bringen die Kunstwerke der Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen persönlichen, manchmal sehr intimen Ton in die Ausstellung. In ihren Werken verarbeiten die Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke und Erfahrungen von Flucht, Isolation, Solidarität und Geborgenheit und setzen sich mit der NSGeschichte ebenso auseinander wie mit gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Fragen: Was bedroht uns, was sichert unsere Zukunft? Welche Werte sind uns wichtig? Wie bauen wir Vorurteile und Feindbilder ab?

Auch wenn sich die Themen der Schülerinnen und Schüler häufig von der NS-Geschichte entfernen, sie sich zum Beispiel mit Umweltzerstörung, Korruption oder Gleichberechtigung beschäftigen, mdient die historische Erinnerung als eine Art Trigger, um einen kritischen Blick auf die Gegenwart zu werfen – und zwar unabhängig davon, ob die Großeltern und Urgroßeltern den Nationalsozialismus selbst erlebt haben oder ob sie aus weit entfernten Ländern wie Afghanistan, Eritrea oder dem Irak stammen. Viele der Mitwirkenden haben Migrationshintergrund, einige sind erst kürzlich aus ihren Heimatländern geflohen. Von Beginn an waren daher die persönlichen Erfahrungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler Bestandteil des Ausstellungskonzeptes. So thematisieren die einen die Lebensbedingungen in ihren Herkunftsländern oder die Gründe für ihre Flucht. Andere beschäftigt vor allem der nach wie vor bestehende Rassismus und die damit verbundene Ausgrenzung in der Gesellschaft – Themen, die wiederum unmittelbare Anknüpfungspunkte an die NS-Geschichte möglich machen.

Für die künstlerische Umsetzung ihrer Themen nutzten die Schülerinnen und Schüler die spezifischen Materialien und Techniken ihrer Ausbildungsberufe. Die Fahrzeuglackierer*innen haben Handskizzen gefertigt, diese dann am Computer digitalisiert und auf Platten lackiert, die – verteilt über alle vier Ausstellungsgeschosse des NS-Dokumentationszentrums – freischwebend über den horizontalen Tischen der Dauerausstellung hängen. Die Maler*innen und Lackierer*innen fertigten aus Holzpaneelen Schattenrisse der eigenen Person an, während die Schilder- und Lichtreklamehersteller*innen ihre Gedanken typographisch gestalteten und auf intervall-gesteuerten Leuchtkästen in Szene setzen. Ihre Statements werden erst im Licht erkennbar, wenn zum Beispiel aus der Parole „Kein Platz für Juden“ die Aussage „Kein Platz für Juden-Hass“ wird. Einige Klassen haben sich dazu entschlossen, ein gemeinsames Kunstwerk zu erstellen. Auf 21 Holztafeln präsentieren die Gestalter*innen für visuelles Marketing ihre Ideen – jeweils in Verarbeitung eines Buchstabens. Nebeneinander und in Reihenfolge angeordnet entsteht das Motto: „Eine Welt viele Farben“. Die Vergolder*innen fertigten Kartonzylinder an, die gemeinsam ein großes Mobile ergeben, welches im Luftraum zwischen dem ersten und zweiten Ausstellungsgeschoss seinen Platz gefunden hat.

Das NS-Dokumentationszentrum München führt regelmäßig Kooperationen mit unterschiedlichen Schulen und verschiedenen Bildungseinrichtungen durch. Aus dieser Zusammenarbeit entstehen partizipative Projekte, an deren Entstehung die Schülerinnen und Schüler aktiv beteiligt sind und die ihnen die Möglichkeit geben, eigene Schwerpunkte zu setzen und kreative Antworten auf Fragen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu finden: Was geht mich die NS-Geschichte heute noch an? In der historisch-politischen Bildungsarbeit geht es heute vor allem auch darum, demokratische Werte zu vermitteln und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass diese Werte nicht selbstverständlich gegeben sind – wie der gegenwärtig wieder zunehmende Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus zeigt. Mit der Städtischen Berufsschule für Farbe und Gestaltung konnte das NS-Dokumentationszentrum eine Kooperationspartnerin gewinnen, die sich seit vielen Jahren für eine solidarische Gesellschaft und gegen Diskriminierung einsetzt.

Die Ausstellung „Nicht Schwarzweiß. Eine Intervention in Farbe“ ist von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 19 Uhr zu sehen. Jeden Dienstag (ausgenommen Feiertage) findet um 17.30 Uhr ein kostenfreier Rundgang durch die Ausstellung statt. Am 4. Mai, am Tag der offenen Tür der Landeshauptstadt München, stellen beteiligte Schülerinnen und Schüler in dialogischen Rundgängen das Projekt und ausgewählte Kunstwerke vor.

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> Begleitheft PDF | 5,0 MB


© NS-Dokumentationszentrum München | Foto: Orla Connolly, Jens Weber

Ronit Agassi. The Fifth Season

14|02 – 05|05|2019

Ab dem 14. Februar ist im NS-Dokumentationszentrum München die Installation „The Fifth Season“ der israelischen Künstlerin Ronit Agassi zu sehen. Die zum Teil eigens für das Haus gestalteten Werke und Objekte kreisen um die Jahreszeiten und um Themen menschlicher Bedrohung. Ronit Agassi verwebt in ihrem Werk verschiedene Erzählstränge, die auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie auf ihre eigene Biographie Bezug nehmen. 1948 im Jahr der Staatsgründung Israels in einem Kibbuz geboren, war Ronit Agassis Kindheit und Jugend vom Mythos Israels als Land einer kollektiven, landwirtschaftlichen Utopie geprägt. Zugleich wurden ihre frühen Erfahrungen aber auch von Bildern des Krieges, des Militärs und den Traumata des Holocaust berührt.

Ronit Agassi gestaltet die Jahreszeiten – Herbst, Winter, Frühling, Sommer und die fünfte Jahreszeit, die keinen Namen hat und in der es keine Zukunft und keine Gegenwart gibt – als einen ebenso verstörenden wie poetischen Parcours aus Skulpturen, Readymades, textilen Arbeiten, Zeichnungen und einem Video, die sie assoziativ miteinander in Verbindung setzt. Für ihre Arbeiten bevorzugt sie organische, fragile Materialien wie Laubblätter, Kieselsteine und Japanpapier, die sie bemalt oder mit feinen Stichen bestickt. So nimmt die Künstlerin die Betrachterinnen und Betrachter mit auf eine Reise in die fünfte Jahreszeit, deren unheilvollen Geschichten sich erst allmählich hinter der zarten Oberfläche erschließen. Mit „The Fifth Season“ hat Ronit Agassi ein komplexes und anspielungsreiches Werk geschaffen. Es nimmt Motive der Geschichte ebenso auf wie Elemente des Märchens, der Literatur, der Musik und der Kunstgeschichte und eröffnet disparate Bildwelten.

Der Kontrast zwischen Materialität und Motiv zeigt sich beispielsweise in neun auf einem Tableaux arrangierten Laubblättern. Das zerbrechliche organische Material bestickte Ronit Agassi mit feinen Kreuzstichen in Erd- und Pastelltönen, in deren ornamentalem Gefüge sich die Gesichter einflussreicher NS-Größen wie Adolf Hitler und Heinrich Himmler erkennen lassen. Die Blätter sammelte Agassi im Grunewald bei Berlin. Vom Bahnhof Berlin-Grunewald wurden zwischen 1941 und 1945 über 50.000 Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager deportiert.

In den Wechselausstellungen möchte das NS-Dokumentationszentrum München bewusst neue methodische Ansätze und Zugänge zur Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte ermöglichen oder Bezüge zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen herstellen. Mit der Präsentation „The Fifth Season“ von Ronit Agassi widmet sich das Haus der zeitgenössischen Kunst. In ihrer fragilen, organischen Materialität kontrastiert die Kunstinstallation die von Texten und Bildern dominierte, auf sachliche Dokumentation und Aufklärung ausgerichtete Dauerausstellung des NS-Dokumentationszentrums. Die Exponate entfalten eine visuelle, emotionale Kraft und evozieren Assoziationen, die das Unterbewusstsein der Betrachterinnen und Betrachter ansprechen und zum Nachdenken anregen.

Die Kunstinstallation „The Fifth Season“ ist vom 14. Februar bis zum 5. Mai 2019 im Wechselausstellungsbereich des NS-Dokumentationszentrums zu sehen. Am 14. Februar findet um 17.30 Uhr ein Künstlergespräch mit Ronit Agassi und der Kuratorin Sabine Brantl statt. Des Weiteren werden an mehreren Terminen Kuratorenführungen durch die Ausstellung angeboten.

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Allgemeine Presseinformationen zum NS-Dokumentationszentrum München

Presseinformation NS-Dokumentationszentrum München
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Presseinformation Dauerausstellung
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Presseinformation Lernforum
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Presseinformation Bildungsangebote
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Presseinformation Besucherinfos
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Presseinformationen zurückliegende Wechselausstellungen

Pressemappe Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933–1945
27|05|2018 – 06|01|2019
> Download PDF | 726 KB


Pressemappe Die Technische Hochschule München im Nationalsozialismus
18|05–26|08|2018
> Download PDF | 700 KB

Pressemappe Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945
29|11|2017–02|04|2018
> Download PDF | 682 KB

Pressemappe Erinnerung bewahren. Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939–1945
14|09–29|10|2017
> Download PDF | 4,5 MB

Pressemappe Sonderausstellung „Alfred Hrdlicka. Wie ein Totentanz - Die Ereignisse des 20. Juli 1944“
22|06–27|08|2017
> Download PDF | 721 KB

Pressemappe Sonderausstellung „Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“
08|03 – 05|06|2017
> Download PDF | 5,1 MB

Pressemappe Sonderausstellung „Die Verfolgung der Sinti und Roma in München und Bayern 1933-1945“
27|10|2017–12|02|2017
> Download PDF | 3,4 MB

Pressemappe Sonderausstellung „Adolf Frankl - Kunst gegen das Vergessen“
21|07–25|09|2017
> Download PDF | 5,8 MB

Pressemappe Sonderausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus"
5|04–26|06|2016
> Download PDF | 1,7 MB

Pressemappe Sonderausstellung  „Der Warschauer Aufstand 1944“
29|10|2015–28|02|2016
> Download PDF | 1,3 MB

Presseinformation Sonderausstellung „Das Unsagbare zeigen. Künstler als Warner und Zeugen 1914-1945“
01|05–27|09|2015
> Download PDF | 1,7 MB

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Sonstige Presseinformationen

Pressemappe „Digitale Medien im NS-Dokumentationszentrum München“
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Presseinformation „Brienner 45"
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Presseinformation historischer Ort
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Presseinformation Projektrückblick
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Presseinformation Direktorin Prof. Dr. Mirjam Zadoff
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Siehe auch

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Tel. 089 233-67013
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