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Aktuelles aus der Pressearbeit

Pressemeldung, 19.10.2017

Abschluss der Grabungen auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Allach

Auf dem Grundstück an der heutigen Granatstraße 12, östlich der Siedlung Ludwigsfeld, befand sich während des NS-Regimes ein Teil des Außenlagerkomplexes Allach des KZ Dachau. Dort waren Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht, die für die Firma BMW und die Organisation Todt arbeiten mussten.

Aufgrund einer Vermutung, dass auf dem Gelände KZ-Häftlinge in Massengräbern verscharrt worden seien, wurde ab dem Frühjahr 2016 das Gesamtareal mit kontinuierlicher wissenschaftlicher Begleitung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege voll­flächig archäologisch untersucht. Die nun abgeschlossenen Grabungen haben diese Vermutung nicht bestätigt.

Es wurden noch vorhandene bauzeitliche bauliche Strukturen des Lagers freigelegt und dokumentiert. Dabei geborgene Reste von Alltagsgegenständen wie Geschirr und Kleidung wurden dokumen­mentiert und konservatorisch gesichert. Sie sollen der KZ-Gedenk­stätte Dachau übergeben werden. In einem letzten Verfahrensschritt wurde das im nordöstlichen Teil des Grundstücks befindliche Areal des 1950 errichteten KZ-Friedhofs Karlsfeld untersucht. Grundlage war dabei eine 1950 erstellte Kartierung von 111 Grabstellen. Bei den hier Bestatteten handelt es sich unter anderem um Opfer einer Typhus-Epidemie nach der Befreiung der Häftlinge. 1955 wurden diese exhumiert und auf dem KZ-Friedhof auf dem Leitenberg erneut bestattet. Der KZ-Friedhof Karlsfeld wurde aufgelöst.

Bei der nun erfolgten archäologischen Untersuchung dieses Areals wurden zwölf vollständige Skelette und wenige einzelne Gebeine gefunden und in einer anthropologischen In-situ-Befundung dokumentiert. Die zwölf Individuen waren sorgfältig begraben und entsprechen in Lage und Anordnung der ehemaligen Kartierung, sodass mit größter Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass die Exhumierung 1955 nicht vollumfänglich durchgeführt worden ist. Daher wurde in Absprache mit den Verbänden der Überlebenden und den zuständigen Institutionen beschlossen, die zwölf Skelette individuell in einer würdevollen multireligiösen Zeremonie in einem nahe gelegenen Friedhof zu bestatten, wie dies 1955 ebenfalls erfolgte.

Damit ist die mehrjährig andauernde Untersuchung des Grundstücks Granatstaße 12 abgeschlossen. Die weiteren Planungen zur zukünftigen Bebauung des Grundstücks sind Angelegenheit der zuständigen Planungsbehörden.

Die Untersuchungen begleitete ein Runder Tisch unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger, Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums München. In dem Gremium waren das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, die Stiftung Bayerische Gedenkstätten, die KZ-Gedenkstätte Dachau, die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern, die Abteilung Stadtgeschichte des Kulturreferats, mehrere Fachleute sowie die Projektgesellschaft „PG Granatstr. 12“ vertreten. Der Projekt­gesellschaft gilt der Dank für die Initiierung und Finanzierung der aufwändig und professionell durchgeführten Grabungen.

> Download Pressemeldung vom 19.10.2017 | PDF | 48 KB

Terminhinweis, 16.10.2017

Ausstellungseröffnung: Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945 | 29.11.2017–02.04.2018

Am 28. November 2017 wird die neue Sonderausstellung „Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945“ eröffnet.

Bitte merken Sie sich die folgenden Termine vor:

Dienstag, 28.11.2017
11 Uhr Pressevorbesichtigung
19 Uhr Eröffnung mit hochrangigen Gastrednern
Ort NS-Dokumentationszentrum München, Brienner Str. 34, 80333 München

Die Ausstellung dokumentiert Aktivitäten, Akteure, Weltanschauungen und Strategien der extremen Rechten seit Kriegsende. Die Morde der rechtsextremistischen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ und die Anschläge auf Asylunterkünfte und Geflüchtete in den letzten Jahren haben das Thema verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Rechtspopulistische Parteien schüren Europaskepsis und Fremdenfeindlichkeit. Vermeintliche deutsche „Patrioten“ treten zur „Rettung des Abendlandes“ an und tragen zur Verrohung von Sprache und Denken bei. Aus welchen Elementen setzt sich die antidemokratische und menschen­feindliche Ideologie des Rechtsextremismus zusammen? Mit welchen Mitteln wird das Gedankengut verbreitet? Inwieweit sind einzelne dieser Elemente auch für die gesell­schaftliche Mitte anschlussfähig? Was führt zu rechtsextremen Haltungen?

Eine Ausstellung in Kooperation mit der Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt München und der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e. V. (a.i.d.a.).

Akkreditierung: presse.nsdoku (at) muenchen.de | Tel +49 89 233-67014

Pressemeldung, 13.10.2017

Neuerscheinung: Die christlichen Kirchen im „Dritten Reich“

Waren die christlichen Kirchen dem NS-Regime gegenüber resistent, passten sie sich an oder kollaborierten sie? Zeithistoriker diskutieren diese Fragen bis heute kontrovers. Ein neuer, im Auftrag des NS-Doku­mentationszentrums herausgegebener Band leistet einen aktuellen, differenzierten Beitrag zu diesem umstrittenen Forschungs­feld. Unter dem Titel „Distanz und Nähe zugleich? Die christlichen Kirchen im ‚Dritten Reich‘“ fasst er die Beiträge einer Tagung zusammen, die 2016 am NS-Dokumentationszentrum München unter Mitwirkung renommierter Historiker stattgefunden hat. Der Sammel­band enthält alle Vorträge der zweiteiligen Tagung in überarbeiteter Form. Er bietet eine Zusammen­schau des Forschungs­standes, eine vertiefte Diskussion der Ambivalenzen im Verhältnis der Kirchen zum NS-Staat und eine kritische Unter­suchung der besonderen Rolle von Professoren und theologischen Fakultäten im Nationalsozialis­mus. Weitere Beiträge befassen sich mit den nach 1945 geführten Deutungskämpfen um die Verstrickung der Kirchen mit dem NS-Regime und dem Ringen um eine kritische Auseinander­setzung mit dieser Vergangenheit.

Der Band erscheint in der Schriftenreihe des NS-Dokumentations­zentrums München. Diese umfasst Ausstellungskataloge, Tagungs­bände und andere Sammelwerke. Das übergreifende Thema der Reihe ist die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, etwa in der Kunst, in der Wissenschaft oder in anderen Bereichen. Die bisher erschienenen fünf Bände können über den von der Literaturhandlung betriebenen Buchshop des NS-Dokumentationszentrums München erworben werden (info@literaturhandlung.de, Telefon 089/2800135). Rezen­sions­exemplare sind bei der Pressestelle des NS-Doku­mentations­­zentrums München unter presse.nsdoku@muenchen.de oder Telefon 089/233-67014 erhältlich.

Distanz und Nähe zugleich? Die christlichen Kirchen im „Dritten Reich“, im Auftrag des NS-Dokumentationszentrums München herausgegeben von Friedrich Wilhelm Graf und Hans Günter Hockerts, mit Beiträgen von Thomas Großbölting, Christiane Kuller, Dominik Burkard, Friedrich Wilhelm Graf, Hanns Christof Brennecke, Andreas Wirsching, Mark Edward Ruff und Axel Schildt, München 2017, Preis: 24 Euro, ISBN: 978-3-946041-17-7.

> Download Pressemeldung vom 13.10.2017 | PDF | 44 KB

Pressemeldung, 05.10.2017

Preis für Projekte zur Aufklärung über den Nationalsozialsozialismus

Der Münchner Stadtrat beauftragt das NS-Dokumentationszentrum, ab 2018 einen Preis zu vergeben: Ausgezeichnet werden herausragende Publikationen, Aktivitäten und Projekte, die maßgeblich zur Aufklärung über den Nationalsozialismus, die vom NS-Regime begangenen Verbrechen sowie über Folgen und Weiterwirken der NS-Zeit beitragen. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben werden.

Bei der Auswahl der Projekte soll besonderes Augenmerk auf eine hohe Qualität, eine breite gesellschaftliche Wirkung und eine zeitgemäße, zukunftsorientierte Ausgestaltung der Beiträge gelegt werden. Eine Jury von sechs Fachleuten aus dem deutschsprachigen Raum und fünf ehrenamtlichen Mitgliedern des Stadtrats wird internationale Publikationen und Projekte vorschlagen, diese diskutieren und daraus eine Preisträgerin oder einen Preisträger empfehlen. Die Entscheidung über die Preisvergabe trifft der Stadtrat.

„Die heute wieder massiv von Rechtspopulisten und Rechtsextremen verbreiteten Hetzparolen gleichen auf erschreckende Weise der nationalsozialistischen Propaganda. Fremdenhass, Antisemitismus und Geschichtsvergessenheit dringen vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft vor. Dagegen müssen wir ein entschiedenes ‚Nie wieder!‘ setzen“, äußert sich Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München.

„Es ist unsere Aufgabe, im NS-Dokumentationszentrum über die NS-Zeit aufzuklären und deutlich zu machen, wo die menschenverachtende Ideologie der Rechten ihre Wurzeln hat. Mit dem Preis, den wir ab 2018 verleihen, zeichnen wir Beiträge aus, die unsere Arbeit unterstützen“, so Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger, Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums München.

> Download Pressemeldung vom 05.10.2017 | PDF | 43 KB

 

 

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