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Erinnerungsort „Ehemaliges Zwangsarbeiterlager Neuaubing"

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Das ehemalige Zwangsarbeiterlager in München-Neuaubing, 2014 (Foto: NS-Dokumentationszentrum München /Jens Weber)

Auseinandersetzung mit den Verbrechen der NS-Zwangsarbeit

Im Münchner Westen, am Rande von Neuaubing, sind acht Baracken eines Lagers erhalten, in dem während der NS-Herrschaft Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter untergebracht waren. Der Münchner Stadtrat hat 2011 beschlossen, dort einen Erinnerungsort zu schaffen, der sich – in Ergänzung zum NS-Dokumentationszentrum – mit dem Thema Zwangsarbeit auseinandersetzt. Das gesamte Gelände steht unter Ensembleschutz, die Baracken sind als Einzeldenkmäler in die Denkmalliste eingetragen. Das Barackensensemble ist eines der wenigen in Deutschland noch erhaltenen baulichen Zeugnisse der massenhaften Ausbeutung durch Zwangsarbeit. Derzeit erarbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des NS-Dokumentationszentrums ein Konzept für einen Ausstellungs- und Lernort.

Die Verschleppung und Zwangsbeschäftigung ausländischer Arbeiterinnen und Arbeiter war eines der zentralen Verbrechen des NS-Staats. Während die Rüstungsproduktion stark ausgeweitet wurde, zog die Wehrmacht immer mehr Männer zum Kriegsdienst ein und es entstand ein erheblicher Arbeitskräftemangel. Männer, Frauen und Kinder wurden zwangsweise für die Kriegswirtschaft und den Profit deutscher Unternehmen rekrutiert. Die überwiegende Mehrheit der privaten und öffentlichen Betriebe sowie die Landwirtschaft beschäftigten sogenannte Fremdarbeiter und beteiligten sich damit am Ausbeutungssystem. Bis heute wird das Unrecht der Zwangsarbeit in der erinnerungspolitischen und -kulturellen Auseinandersetzung nur unzureichend berücksichtigt.

Im Deutschen Reich wurden während des Zweiten Weltkriegs etwa 13 Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus allen Ländern Europas beschäftigt. Sie waren zumeist in einem der über 30.000 Zwangsarbeiterlager untergebracht. In Neuaubing leisteten sie „kriegswichtige” Arbeit im nahegelegenen Werk der Reichsbahn (RAW). Die Reichsbahn beschäftigte im Zweiten Weltkrieg besonders viele Zwangsarbeiter. Nach Kriegsende stellte die Deutsche Bahn das Lagergelände für Flüchtlinge zur Verfügung, später wohnten dort Lehrlinge und Mitarbeiter. Seit den siebziger Jahren wird die Anlage gewerblich genutzt, heute überwiegend von Künstlern und Handwerkern. Die Struktur des Lagers blieb weitgehend bewahrt.

Lageplan des Barackenlagers der Reichsbahn in Neuaubing, Planung November 1942 (Quelle: Bauakte Ehrenbürgstraße 9)
Luftaufnahme des Geländes 2013 (Quelle: Geodaten, Kommunalreferat München)

Zwangsarbeit für die Deutsche Reichsbahn in Neuaubing 1943-1945

Ende 1942 wurde auf dem Gelände der Reichsbahn an der heutigen Ehrenbürgstraße mit dem Bau eines Barackenlagers begonnen. Die ersten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter kamen noch im gleichen Jahr. Insgesamt waren hier bis zur Befreiung des Lagers im April 1945 mindestens 1.000 Menschen untergebracht. Das Lager wurde von der Reichsbahn verwaltet und von deutschen Mitarbeitern geführt. Die Menschen lebten räumlich beengt, ohne Privatsphäre und litten oft Hunger.

Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren überwiegend russischer, ukrainischer, polnischer, französischer und niederländischer Herkunft sowie italienische Militärinternierte und mussten mehrheitlich im nahegelegenen Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Neuaubing schwere Arbeiten verrichten. In Kolonnen führten bewaffnete Wachen sie morgens an den benachbarten Wohnhäusern vorbei zu ihren Arbeitsplätzen und abends wieder zurück ins Lager. Die NS-Zwangsarbeit geschah vor den Augen der Münchner Bevölkerung.

Zwangsarbeiter aus den sowjetischen Gebieten vor einer Baracke des Parallelbetriebs des Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) in Freimann, um 1943 (Quelle: Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst)
Schwere Zwangsarbeit unter Bewachung im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Freimann, 1942 (Quelle: Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst)

Informationen auf Russisch finden Sie hier.

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Veranstaltungsprogramm
Oktober - Dezember 2017