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Walter Klingenbeck (1924-1943)

Am 5. August 1943 wurde Walter Klingenbeck im Alter von 19 Jahren hingerichtet. Zusammen mit Freunden hatte er den Mut, mit öffentlichkeitswirksamen Widerstandsaktionen gegen das NS-Regime Stellung zu beziehen.

Walter Klingenbeck, geboren am 30. März 1924 in München, wuchs in einem gläubigen katholischen Elternhaus auf. Seit seiner frühen Jugend engagierte er sich in der Jungschar an der Pfarrgemeinde Sankt Ludwig. Als die Nationalsozialisten die Gruppe 1936 auflösten und in die Hitlerjugend eingliederten, war dies für Klingenbeck ein Schlüsselerlebnis, das ihn in seiner kritischen Haltung gegenüber dem Regime bestärkte. Seine Ablehnung wuchs, nachdem er mit seinem Vater begonnen hatte, ausländische Radionachrichten zu hören. Mit Beginn des Krieges wurde dies 1939 vom NS-Staat verboten und mindestens mit Gefängnis bestraft.

Vom heimlichen Regimekritiker zum Widerstandsaktivisten

1941 trat Klingenbeck eine Lehre als Schaltmechaniker bei der Münchner Firma Rohde & Schwarz an. Dort befreundete er sich mit den gleichgesinnten Jugendlichen Daniel von Recklinghausen, Hans Haberl und Erwin Eidel, alle im Alter zwischen 16 und 17 Jahren. Bald hörten sie gemeinsam „Feindsender” und entwickelten unterschiedliche Ideen, um dem verhassten Regime zu schaden. So entwickelten die begeisterten Radiobastler einen eigenen Schwarzsender, um damit ausländische Radiomeldungen zu verbreiten. Außerdem planten sie, mit Hilfe von Modellflugzeugen Flugblätter abzuwerfen, was sich aber nicht verwirklichen ließ. Eine andere Aktion wurde in die Tat umgesetzt: Sie brachten in den Straßen Münchens mit Pinsel und schwarzem Lack das Victory-Zeichen der Alliierten an – als Symbol für den aus ihrer Sicht so gut wie verlorenen Krieg.

Denunziert, verhaftet und zum Tode verurteilt

In jugendlichem Übermut sprach Klingenbeck in seinem Umfeld von der Graffiti-Aktion. Er erzählte gegenüber Nichteingeweihten, dass er vor der SS-Kaserne in Freimann ein V-Zeichen angebracht und am nächsten Morgen zugesehen habe, wie es abgewaschen worden sei. Daraufhin wurde er bei der Gestapo denunziert und am 26. Januar 1942 verhaftet, kurz darauf wurden auch seine Freunde Daniel und Hans sowie dessen Mitbewohner festgenommen.

Gegenüber der Polizei und im Prozess nahm Klingenbeck die gesamte Verantwortung auf sich. Am 24. September 1942 wurden er, Haberl und von Recklinghausen wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Weil Walter Klingenbeck als Rädelsführer galt, wurde sein Gnadengesuch nach elfmonatiger Haft im Gefängnis München-Stadelheim abgelehnt. Das Todesurteil der beiden anderen wurde in eine achtjährige Zuchthausstrafe umgewandelt. Mit einem Brief verabschiedete sich Klingenbeck am Tag seiner Hinrichtung von seinem Freund Hans:

„Lieber Jonny. Vorhin habe ich von Deiner Begnadigung erfahren. Gratuliere! Mein Gesuch ist allerdings abgelehnt. Ergo geht’s dahin. Nimm‛s net tragisch. Du bist ja durch. Das ist schon viel wert. Ich habe soeben die Sakramente empfangen und bin jetzt ganz gefasst. Wenn Du etwas für mich tun willst, bete ein paar Vaterunser. Leb wohl. Walter“

Am 5. August 1943 wurde der 19jährige Walter Klingenbeck in München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet.

In der Nähe der Kirche Sankt Ludwig wurde 1998 auf Initiative des Bezirksausschusses Maxvorstadt ein von der Ludwigstraße abzweigender Weg nach Walter Klingenbeck benannt.

 

Literatur:

Zarusky, Jürgen: „...nur eine Wachstumskrankheit”? Jugendwiderstand in Hamburg und München, in: Dachauer Hefte (7) 1991, S. 210–229
Detjen, Marion: „Zum Staatsfeind ernannt“. Widerstand, Resistenz und Verweigerung gegen das NS-Regime in München, hrsg. von der Landeshauptstadt München, München 1998
Bäumler, Klaus: Walter Klingenbeck. Zum 60. Todestag. 5. August 1943 – 5. August 2003, München, Bezirksausschuss Maxvorstadt 2003
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrsg.): Es lebe die Freiheit! Jugendliche gegen den Nationalsozialismus, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, Frankfurt 2011

Bildnachweis:

Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Bundesarchiv

Siehe auch

Münchner Biographien