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Max Troll (1902-1972)

Max Troll war in den Anfangsjahren des NS-Regimes der wichtigste Spitzel der Bayerischen Politischen Polizei, der späteren Gestapo. Er verriet Hunderte von kommunistischen Widerstandskämpfern an die Behörden. Die von ihm Denunzierten wurden massenhaft ins Gefängnis oder Konzentrationslager gesperrt, einige von ihnen zum Tode verurteilt und ermordet.

Max Troll wuchs als Sohn eines Kraftfahrers in München auf, wo er eine Lehre als Automechaniker abschloss. 1932 trat er in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein. Am 9. März 1933, dem Tag der „Machtergreifung” der Nationalsozialisten in Bayern, wurde er verhaftet und ins KZ Dachau verbracht. Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, ob er bereits seit seinem KPD-Beitritt als sogenannter „V-Mann“ für die Bayerische Politische Polizei (BPP, 1936 umbenannt in Geheime Staatspolizei – Gestapo) tätig war, ob er während seiner KZ-Haft oder aber erst nach seiner Entlassung im Mai 1933 angeworben wurde.

Fest steht jedenfalls, dass sich Troll spätestens ab Mai 1933 intensiv und erfolgreich bemühte, die Namen untergetauchter Kommunisten für die damals Heinrich Himmler unterstellte BPP in Erfahrung zu bringen. Angesichts der nur verdeckt und vielfach unabhängig voneinander agierenden kommunistischen Kleingruppen war es für die Polizei sehr schwierig, an diese Informationen zu gelangen. Troll hatte neben seinen Spitzeldiensten, für die er von der BPP bezahlt wurde, den Auftrag, die Kontakte zwischen den Kommunisten im Untergrund zu stabilisieren und deren Organisation und Widerstandsaktivitäten auszuweiten.

Polizeispitzel „Theo”

Max Troll warb unter dem Decknamen „Theo” unermüdlich neue Mitkämpfer für den kommunistischen Widerstand. Dies gelang ihm vor allem ab dem Sommer 1934, während einer Tätigkeit als Bauarbeiter auf der Baustelle des Deutschen Museums. Demnach war das Aufleben des kommunistischen Widerstands in München im Jahr 1935 zum Teil auch auf die Arbeit der BPP zurückzuführen. Troll informierte die Polizei über Name und Wohnort vieler KPD-Anhänger sowie über ihre widerständischen Aktivitäten, beispielsweise das Verteilen illegaler Schriften und das Sammeln von Spenden für die „Rote Hilfe“, die Verfolgte und Verhaftete sowie deren Angehörige unterstützte.

Nachdem „Theo“ im April 1935 die Leitung der „Roten Hilfe” für Südbayern übernommen hatte, fuhr er wiederholt zu deren Auslandsleitung in die Schweiz, um Hilfsgelder wie Instruktionen zu erhalten. Anfang des Jahres 1936 wurde er gar Leiter der illegalen KPD Südbayerns. Damit „Theo” möglichst den gesamten kommunistischen Untergrund ausspionieren und erfassen konnte, ließ sich die BPP mit Verhaftungen Zeit.

Im Zuge ihrer sogenannten „Volksfrontstrategie“, womit die KPD den Widerstand gegen das NS-Regime durch Zusammenarbeit mit anderen, nichtkommunistischen Oppositionellen zu stärken hoffte, knüpfte „Theo“ Kontakte zum „Zott-Harnier“-Kreis in München und schleuste dort seinerseits einen Spitzel ein. Damit trug er entscheidend dazu bei, dass auch diese katholisch-monarchistisch orientierte Widerstandsgruppe von der BPP beziehungsweise der Gestapo zerschlagen wurde, ebenso wie eine kleine Gruppe der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD).

Verräter des kommunistischen Widerstands in München

Als innerhalb der illegalen KPD erste Verdachtsmomente gegen „Theo“ aufkamen, war es bereits zu spät: Troll hatte etwa 250 Kommunisten und Unterstützer der „Roten Hilfe“ aus seinem Bezirk namentlich erfasst. Er kannte die Funktionsweisen der illegalen Netzwerke sowie Deckadressen in Bayern und der Schweiz.

Dergestalt vorbereitet, konnte die BPP systematisch mit der Zerschlagung der illegalen Münchner Stadtteilgruppen beginnen. Die erste große Welle erfasste im Sommer 1935 die Gruppen im Westend und in Neuhausen mit jeweils mehreren Dutzend Verhaftungen. Danach traf es das Schlachthofviertel – mit allein 75 Personen – und Sendling. Bis zum Sommer 1936 wurden große Teile des kommunistischen Untergrunds in Giesing, Haidhausen und Ramersdorf ausgehoben sowie kleinere Gruppen am Tegernsee, im Allgäu und in Nürnberg und Fürth. Aufgrund der höchst effizienten Arbeit des Spitzels „Theo“ kam der kommunistische Widerstand in München fast vollständig zum Erliegen. Nach seiner Enttarnung im Juni 1936 wurde Troll von der Gestapo aus München abgezogen. Bis 1937 hatte er einige hundert Männer und Frauen an die Polizeibehörden verraten.

Individuelle Erinnerungslücken und kollektives Vergessen

Nach einem Einsatz in der militärischen Abwehr bei den Regensburger Messerschmidt-Werken nahm Troll von 1940 bis 1944 am Krieg teil, geriet in Gefangenschaft und kehrte im Mai 1946 zurück. Ehemalige Verfolgte machten Max Troll in Regensburg ausfindig, rangen ihm ein schriftliches Geständnis ab und zeigten ihn an. Im Mai 1947 wurde er verhaftet.

Die Spruchkammer verurteilte ihn als „Hauptschuldigen“ zu zehn Jahren Arbeitslager. Nach fünf Jahren wurde Troll aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Die von der Staatsanwaltschaft München ab 1950 gegen ihn angestrengten Untersuchungen wegen Freiheitsberaubung und schwerer Körperverletzung, teilweise mit Todesfolge, mündeten einige Zeit später in die Aufhebung des Haftbefehls. Der Oberstaatsanwalt war der Meinung, dass die in der NS-Zeit verhängten „gerichtlichen Strafen (…) nicht offensichtlich als unmenschlich und daher rechtswidrig angesehen werden“ konnten und „die Einweisung von Personen zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte in Konzentrationslager damals für zulässig gehalten“ worden sei. Schließlich hätten derartige Maßnahmen in der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933 „eine formelle Rechtsgrundlage“ gehabt. Da auch einer der seinerzeit für Troll zuständigen Gestapo-Beamten, der trotz seiner SS- und NSDAP-Mitgliedschaft im neu gegründeten Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz tätig war, als Zeuge im Prozess an die damaligen Vorfälle keine genauen Erinnerungen mehr hatte, beschloss das Landgericht München I im Dezember 1954 die Einstellung des Verfahrens.

Von niemandem weiter wegen seiner vielfach Leid, Schmerz und Tod bringenden Spitzeldienste behelligt starb Max Troll alias „Theo“ am 7. April 1972 in Regensburg.

Literatur:
Detjen, Marion: „Zum Staatsfeind ernannt“. Widerstand, Resistenz und Verweigerung gegen das NS-Regime in München, München 1998.
Mehringer, Hartmut: Die KPD in Bayern1919-1945. Vorgeschichte, Verfolgung und Widerstand, in: Bayern in der NS-Zeit Band V, München 1983, S. 1-286. 
Meinl, Susanne/Schröder, Joachim: „Einstellung zum demokratischen Staat: Bedenkenfrei“. Zur Frühgeschichte des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz (1949-1965), München 2012.
Mühldorfer, Friedbert (Hg.): Hans Beimler. Im Mörderlager Dachau, Köln 2012.

Bildnachweis:
Staatsarchiv München

Siehe auch

Münchner Biographien