Deutsch
English
schwarz-weiss Version
Farb-Version
A A A
Zum Downloadbereich
unserer Smartphone-App

Smartphone-App

Max Amann (1891-1957)

Der Publizist und Parteifunktionär Max Amann spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau des nationalsozialistischen Zeitungs- und Verlagsimperiums, wie auch 1933 bei der Gleichschaltung der Presse. Als Geschäftsführer des Völkischen Beobachters und des parteieigenen Franz Eher Verlags befeuerte er den NS-Propagandaapparat und verdiente damit ein Vermögen.

1891 in München geboren, besuchte Max Amann nach der Volksschule von 1908 bis 1911 eine Handelsschule, danach wurde er kaufmännischer Lehrling bei einer Münchner Anwaltskanzlei. Von Kriegsbeginn an Soldat im Ersten Weltkrieg diente er im Bayerischen-Infanterie-Regiment Nr. 16 List, dem auch Adolf Hitler angehörte; als Feldwebel und zuletzt Offizierstellvertreter war er nominell Hitlers Vorgesetzter, ein engerer Kontakt zwischen den beiden ist jedoch nicht belegt. Trotzdem stilisierte die NS-Propaganda ihren Dienst später zum „unzerreißbaren Band gemeinsamer Fronterlebnisse.“

Frühes Mitglied antisemitischer Netzwerke

Nach dem Krieg bekam Amann eine Anstellung bei einer Münchner Bank. Bereits 1919 schloss er sich dem rechten, antisemitischen Netzwerk in München an, unter anderem als Mitglied der Thule-Gesellschaft. 1921 ließ er sich von Hitler, dem er erneut zufällig begegnet  war, überreden, seine sichere Stellung aufzugeben, um erster Geschäftsführer der NSDAP zu werden. Amann trat das Amt am 1. August 1921 an, noch zwei Monate, bevor er Mitglied der Partei wurde. Nur wenig später übernahm er auch die Leitung der Geschäfte des Völkischen Beobachters und des Eher Verlages, also der Zeitung und des Zentralverlags der Partei. Noch 1922 ernannte ihn Hitler zum „Reichsleiter für die Presse“.

Beim gescheiterten Hitlerputsch 1923 war Amann einer der maßgeblichen Organisatoren. Er saß vier Monate mit Hitler in Landsberg in Untersuchungshaft, wurde im Hochverratsprozess aber nur zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Legende nach soll Amann Hitler in Landsberg überzeugt haben, den Titel seiner Programmschrift von „Viereinhalb Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit“ in „Mein Kampf“ zu ändern. 1925 diktierte Hitler ihm dann auf dem Obersalzberg den zweiten Teil des Buches in die Schreibmaschine; Amann, der Hitlers absolutes Vertrauen genoss, verwaltete auch die Einkünfte und Tantiemen  aus dem Verkauf von „Mein Kampf“.

Gewalttätiger und korrupter Vernichter der freien Presse

Vom 9. November 1924 bis zum April 1933 saß Amann auch für die NSDAP im Münchner Stadtrat, wo er sich als gewaltbereiter Polemiker hervortat. Während der „Machtergreifung“ in Bayern leitete er persönlich die Besetzung und Verwüstung der Redaktionsräume der NS-kritischen Zeitschrift „Der Gerade Weg“ und verprügelte dessen Herausgeber Fritz Gerlich. Danach konzentrierte er sich unter anderem als Präsident der Reichspressekammer und als Chef des Reichsverbands der Deutschen Zeitungsverleger ganz auf den Aufbau des NS-Verlagsimperiums und die rücksichtslose Gleichschaltung des deutschen Pressewesens. Seine Parteikarriere war auch mit großem persönlichen Profit verbunden: Innerhalb weniger Jahre stieg er zum Multimillionär auf. Zu Amanns einträglichen Ehrenämtern gehörte von 1933 an auch das Abgeordnetenmandat im bedeutungslos gewordenen Reichstag und die Mitgliedschaft in der SS, wo er den Rang des Obergruppenführers erreichte.

Wie viele Täter früh amnestiert

Nach der Niederlage und Befreiung Deutschlands durch die Alliierten interniert und angeklagt, versuchte Amann erfolglos, sich als unpolitischen Geschäftsmann darzustellen. Am 8. September 1948 wurde er zunächst von einer Strafkammer des Münchener Landgerichts wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung (an Fritz Gerlich) und Nötigung eines deutschen Gerichts zu zwei Jahren und sechs Monate Gefängnis sowie vier Jahren Ehrverlust verurteilt. Drei Monate später erging ein zweites Urteil gegen ihn: Die Spruchkammer I in München stufte ihn als „Hauptschuldigen“ ein und verurteilte ihn zu Vermögensverlust und Pensionsentzug sowie zur Höchststrafe von zehn Jahren Arbeitslager. Die von Amann dagegen eingelegte Berufung wurde 1949 von der Berufungskammer verworfen. Trotzdem wurde er wie so viele Täter aufgrund einer Amnestie bereits 1953 wieder entlassen. Vier Jahre später starb Amann in seiner Geburtsstadt München.


Literatur:

Oron J. Hale: Presse in der Zwangsjacke 1933-1945, Düsseldorf 1965
Thomas Tavernaro: Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH, Wien 2004

Bildnachweis:

Bayerische Staatsbibliothek München/Sammlung Hoffmann
Bayerisches Hauptstaatsarchiv

Artikelaktionen

Siehe auch

Münchner Biographien