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Elsa Bruckmann (1865-1946)

Elsa Bruckmann war eine glühende Verehrerin und frühe Förderin Adolf Hitlers. Sie führte ihn in ihren gesellschaftlichen Kreis in München ein und machte ihn buchstäblich salonfähig. Zudem nutzte sie ihre vielfältigen sozialen Kontakte, um Sympathisanten aus dem Wirtschafts- und Bildungsbürgertum für die NS-Bewegung zu gewinnen.

Die in Österreich geborene Offizierstochter aus dem rumänischen Adelsgeschlecht Cantacuzène heiratete 1898 den Münchner Verleger Hugo Bruckmann (1863-1941). Dieser hatte den von seinem Vater gegründeten renommierten kunsthistorischen Verlag schon vor der Jahrhundertwende auf einen rechten politischen Kurs geführt und völkische sowie deutschnationale Schriften in das Verlagsprogramm aufgenommen. Am 26. Januar 1899 eröffnete das Ehepaar Bruckmann seinen Münchner Salon. Der Verlagsautor Houston Stewart Chamberlain las dabei aus seinen „Grundlagen des XIX. Jahrhunderts“, einem Schlüsselwerk des modernen Antisemitismus. Der Salon - ab 1908 in ihrem Haus am Karolinenplatz 5, dem Prinz-Georg-Palais - führte Wissenschaftler mit Architekten, Wirtschaftsführern, Künstlern und Dichtern zusammen. Obwohl Elsa Bruckmann schon früh deutschnational und antisemitisch eingestellt war, verkehrten in ihrem Salon in den ersten beiden Jahrzehnten seines Bestehens auch linksliberale Intellektuelle, darunter einige Juden.

 

Verehrung und Stilisierung

Vermutlich bereits am 3. Februar 1921 hörte Elsa Bruckmann Hitler bei einer Parteiveranstaltung im Zirkus Krone in München. Wie sie später berichtete, war es weniger die Rede als vielmehr die Stimme Hitlers, durch die sie „geweckt“ und nach den Erschütterungen und Enttäuschungen des Kriegsendes aufgerichtet worden sei. Nach seinem gescheiterten Putsch besuchte sie Hitler im Sommer 1924 wiederholt in der Haft in Landsberg und beschrieb die Begegnungen in schwärmerischen Worten. Wenige Tage nach seiner vorzeitigen Haftentlassung suchte Hitler die Bruckmanns auf, die ihn umgehend in ihren Salon einluden und ihm dort während der Zeit seines öffentlichen Redeverbots eine Plattform für seine Agitation boten. Wie auch Helene Bechstein, eine weitere frühe Förderin Hitlers aus wohlhabendem, kunstsinnigem Hause, versuchte die kinderlose Elsa Bruckmann gleichsam mit mütterlichem Ehrgeiz, Hitler gesellschaftliche Umgangsformen beizubringen.

Förderung und Parteinahme

Die Bruckmanns förderten mit Spenden den Wiederaufbau der NSDAP und arrangierten in ihrem Palais mehrfach wichtige Begegnungen. So bildete etwa ein Treffen Hitlers mit dem Industriellen Emil Kirdorf im Juli 1927 den Auftakt für die Unterstützung der Hitler-Bewegung durch die Großindustrie. 1928 gründeten die Bruckmanns den „Kampfbund für deutsche Kultur“, der unter Leitung von Alfred Rosenberg die antisemitischen, völkischen und nationalistischen Elemente der NS-Ideologie bei den „Kulturschaffenden“ verbreiten helfen sollte. Die NS-Bewegung machte sich damit die Reputation der Bruckmanns als kunstsinnige und distinguierte Bildungsbürger zunutze. 1930 traten die Bruckmanns in die Partei ein, wobei die Mitgliedschaft „ehrenhalber“ auf 1925 zurückdatiert wurde und sie die niedrigen Nummern 91 und 92 erhielten. Im selben Jahr kandidierte Hugo Bruckmann bei der Reichstagswahl und zog für die NSDAP in den Reichstag ein.

Ernüchterung und Entfremdung

Zwar zeigten sich die Bruckmanns von der Ermordung Gregor Strassers und Ernst Röhms im Sommer 1934 erschüttert, und auch die Orientierung auf den Krieg ab 1936/37 und die von Hitler immer offener propagierte und ausgeübte Gewalt befürworteten sie nicht. Sie distanzierten sich jedoch nicht von ihm. Hugo Bruckmann, der in der Nachfolge Oskar von Millers seit dem Sommer 1933 als Vorstand des Deutschen Museums wirkte, blieb ein treuer Unterstützer der NS-Bewegung.

Nach seinem Tod im September 1941 ließ Hitler ihm ein pompöses Staatsbegräbnis im Innenhof des Deutschen Museums ausrichten. Auch Elsa Bruckmann erhielt noch im Februar 1945 zu ihrem 80. Geburtstag ein Päckchen von ihrem einstigen Protégé. Im April 1944 ausgebombt, zog sie noch im gleichen Jahr in eine Pension nach Garmisch-Partenkirchen, wo sie als enttäuschte „Hitler-Gläubige“ im Juni 1946 starb.

 

Literatur:

Wolfgang Martynkewicz: Salon Deutschland. Geist und Macht 1900-1945, Berlin 2011.

Martha Schad: Sie liebten den Führer. Wie Frauen Hitler verehrten, München 2009, S. 11-40.

 

Bildnachweis:

Bayerische Staatsbibliothek
Münchner Stadtmuseum
The Azimuth Museum, Independence, Missouri

Siehe auch

Münchner Biographien