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Heinrich Hoffmann (1885-1957)

Der Fotograf Heinrich Hoffmann trug durch seine suggestiven, massenhaft verbreiteten Hitlerportraits maßgeblich zur propagandistischen Konstruktion des „Führers“ bei. Darüber hinaus wurde der frühe Anhänger und Vertraute Adolf Hitlers zum wichtigsten Bildchronisten der NSDAP.

Heinrich Hoffmann, 1885 in Fürth geboren, absolvierte bis zur Jahrhundertwende eine Fotografenlehre im väterlichen Betrieb. Nach mehrjähriger Wanderschaft und einem längeren Aufenthalt in London zog er 1909 nach München und etablierte in der Schellingstraße 33, später in der Schellingstraße 50 ein eigenes Atelier, das schnell auch in den Schwabinger Künstler- und Bohèmekreisen zu einiger Bekanntheit gelangte. Von Anfang an arbeitete Hoffmann auch als Pressefotograf und vertrieb Fotopostkarten. Er konnte damit bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs bereits auf eine recht erfolgreiche Karriere zurückblicken. Die Kriegsjahre verbrachte er größtenteils in München, aber auch einige Monate in Frankreich.

„Rechte” Politisierung im Zuge der Novemberrevolution

Als in München die Revolution ausbrach, begleitete Hoffmann als Fotograf das Geschehen. Von ihm stammen die mit Abstand meisten Aufnahmen zu den Ereignissen dieser Zeit. Damals wandelte sich Hoffmann vom handwerklich orientierten Fotografen und Geschäftsmann hin zum politisch engagierten Propagandisten. Nach dem Zusammenbruch der Räterepublik wird in vielen seiner Aufnahmen die Absicht deutlich, gegenrevolutionäre Herrschaft und Ideologie positiv ins Bild zu setzen. So zeugt die von ihm Ende 1919 veröffentlichte Broschüre „Ein Jahr bayerische Revolution im Bilde“ von einer ausgesprochen rechten, reaktionären und antisemitischen Haltung. Dieser offenen Stellungnahme entsprach auch das wachsende politische Engagement Hoffmanns. 1919 hatte er sich einer Einwohnerwehr angeschlossen, schon 1920 war er der DAP, der direkten Vorläuferorganisation der NSDAP beigetreten. Mit Dietrich Eckart, dem Vordenker der Nationalsozialisten, war er seit 1919 befreundet, zu Hitlers engstem Umfeld gehörte er wohl bereits vor dessen Putsch 1923. Allerdings erstellte Hoffmann erst von da an Aufnahmen, die Ereignisse und Aktivitäten der NSDAP dokumentieren. Diese Zurückhaltung hat die Parteipresse später als „Treueopfer” des Fotografen gegenüber Hitler stilisiert, der bis 1923 als extrem bildscheu galt.

 

Fotografie im Dienst des Führerkults

Ab 1923 entwickelte sich zwischen Hitler und Hoffmann eine symbiotische Zusammenarbeit, in deren Verlauf sowohl die in langwierigen Ateliersitzungen geschaffenen Portraits als auch die wirkungsmächtigsten Bilder in Aktion entstanden. Im Zuge der Überhöhung Hitlers mithilfe der Fotografie entwickelte Hoffmann unterschiedliche „Typen” des Führerbildes. Mal setzte er ihn als charismatischen Parteiführer, mal als entschlossenen Feldherrn oder gar als übermenschlichen Erlöser in Szene. In anderen Aufnahmen wiederum stilisierte er ihn zur volksnahen, gütigen Vaterfigur oder auch zum vergeistigten Privatmann. Gleichzeitig organisierte Hoffmann die Verbreitung dieser Aufnahmen in großem Stil durch Zeitschriften, Postkarten, Bücher, Wandbilder und Kalender.

Da die Figur des „Führers“ maßgeblich auch von dessen massenwirksam inszenierten und planvoll instrumentalisierten fotografischen Abbild geprägt ist, ist Hoffmann als ein entscheidender Propagandist dieses um Hitler getriebenen Personenkults zu bezeichnen. Die Verbundenheit zu „Führer“ und Bewegung war überaus eng. 1925 trat Hoffmann der neugegründeten NSDAP mit der Mitgliedsnummer 59 bei, über seinem Atelier in der Schellingstraße 50 befand sich der „Ehrensaal der SA“, die Parteizentrale besaß dieselbe Adresse. 1926 hatte er die Parteiillustrierte, den „Illustrierten Beobachter“, maßgeblich mit initiiert, 1928 war er Vertreter der NSDAP im Oberbayerischen Kreistag, seit 1929 gehörte er dem Münchner Stadtrat an. In seinem Atelier traf Hitler auf Hoffmanns Angestellte Eva Braun, seine spätere Geliebte und Frau. Baldur von Schirach, der Reichsjugendführer, heiratete 1932 die Tochter des Fotografen.

 

Erfolg und Profit als inoffizieller „Reichsbildberichterstatter”

Mit dem Aufstieg der NSDAP florierte auch Hoffmanns Unternehmen, was ihm einen überaus luxuriösen Lebensstil ermöglichte. Allein seine Fotobände, die er von 1932 an in schneller Folge veröffentlichte und die das Privatleben Hitlers genauso wie die Geschichte der „Bewegung“ thematisierten, erreichten bisweilen Auflagen von mehreren 100.000. Darüber hinaus hatte er praktisch ein Monopol auf Hitlerportraits und Aufnahmen aus dessen näherer Umgebung, da dieser weiterhin nur ihn in seinem direkten Umfeld als Fotografen akzeptierte. Das Unternehmen wuchs von 1932 bis 1943 von 17 Mitarbeitern auf über 300. 1943 belief sich der Umsatz auf mehr als 15 Millionen Reichsmark. 1938 wurde Hoffmann der Professorentitel verliehen, allerdings nicht als Fotograf, sondern aufgrund seiner Beteiligung an der Auswahl der Exponate für die „Erste Große Deutsche Kunstausstellung“, ein Auftrag, den er direkt von Hitler erhalten hatte. Als einer der ganz wenigen besaß er bis zuletzt direkten Zugang zu Hitler und hatte sich im Gegensatz zu anderen Parteigrößen auch nicht dem strengen Zeremoniell zu unterwerfen, das der Diktator zunehmend auch von den höchsten Repräsentanten des Staates und der Partei erwartete. Hoffmann bedurfte daher auch gar keines hohen Amtes – der immer gebräuchlicher werdende Titel „Reichsbildberichterstatter der NSDAP“ war kein offizieller – um als bedeutende Persönlichkeit im NS-Regime wahrgenommen zu werden.

Hoffmann wurde im Mai 1945 verhaftet und 1947 von der Spruchkammer München III als „Hauptschuldiger“ eingestuft, ein Urteil, gegen das er Rechtsmittel einlegte. 1950 wurde er tatsächlich zum „Belasteten“ herabgestuft, 1953 auf dem Gnadenweg seine Berufsbeschränkung aufgehoben und 1956 das ihm zugestandene Vermögen auf 350.000 DM festgesetzt. 1957 starb Hoffmann in München.

 

Literatur:

Rudolf Herz, Hoffmann & Hitler. Fotografie als Medium des Führer-Mythos, Ausst.-Kat. München 1994
Rudolf Herz und Dirk Halfbrodt (Hg.), Revolution und Fotografie – München 1918/19, Berlin 1988

Bildnachweis:

Staatsarchiv München, Pol.dir. 10083
Stadtarchiv München, NS-00324
Bayerische Staatsbibliothek München/Sammlung Hoffmann
Deutsches Historisches Museum

Siehe auch

Münchner Biographien